Seelsorge

Seelsorge gehört zur Kirche

Bild: Jens Schulze

„Seelsorge ist ein ... Angebot der Kirche, ... die Lebens- und Glaubensgewissheit von Menschen zu stärken.“* Sie gehört zur Kirche wie Verkündigung und Diakonie.

Pastorinnen und Pastoren geben ihr bei Umfragen einen hohen Stellenwert in ihrer Arbeit. Auch die Kirchenvorsteher und Gemeindeglieder legen wert auf die Seelsorge: „Dafür soll die Pastorin Zeit haben!“

*Klessmann, Michael: Qualität in Seelsorge und Beratung, in: Wege zum Menschen,
61. Jg., 2009, S.126.

Stärkung des Vertrauens in die eigenen Möglichkeiten

Seelsorge ist ein offenes Gespräch. Wer einen Rat sucht oder sein Herz ausschütten will, wer sich in Not befindet oder nicht weiter weiß, kann sich einer Seelsorgerin oder einem Seelsorger anvertrauen. Seelsorge ist eine Art Hilfe zur Selbsthilfe zur Stärkung des Vertrauens in die eigenen Möglichkeiten.

Verschwiegenheit

Seelsorge ist ein Gespräch im geschützten Raum. Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone führen seelsorgerische Gespräche. In manchen Gemeinden übernehmen auch ehrenamtlich Tätige in Besuchsdiensten diese Aufgabe. Sie alle sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Der Horizont des Glaubens

Seelsorge findet im kirchlichen Rahmen statt, im Horizont des Glaubens. Der Seelsorger vertraut darauf, dass menschliche Nöte und Sorgen Gott vertraut sind. Der in der Bibel sagt: „Das geknickte Rohr will ich nicht brechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen.“ (Jes. 42,3) und „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor.12,9) wird sich nicht abwenden von Menschen in Not.

Erfahrungen in den biblischen Bildern und Erzählungen wiederfinden

Wenn auch die Ratsuchende für sich Halt im Glauben findet, kann der Seelsorger ihre Situation im weiten Horizont der biblischen Bilder und Erzählungen wieder finden und ihr helfen, sie zu deuten, sie für sch selbst zu verstehen. Ob Krankheit oder Glaubenszweifel, ob Konflikte, Klagen oder eigene Schuld - der biblischen Überlieferung ist nichts von dem fremd, was menschliche Lebenswege belastet oder verstellt.

Jeder kann kommen

Aber auch die, die der Kirche fern stehen, können sich an eine Seelsorgerin wenden. Jürgen Ziemer, Seelsorgelehrer in Leipzig, nennt die Seelsorge ausdrücklich „eine Brücke zur entkirchlichten Welt.“* Sie nimmt jeden Menschen ohne Vorbehalt an und ist bereit, ihn zu begleiten und mit ihm gemeinsam seine Situation auszuhalten.

* Ziemer, Jürgen: Seelsorgelehre, Göttingen² 2004, S.15.

Das Ziel findet sich im Gespräch

So ist ein seelsorgliches Gespräch ohne eine dritte Absicht. Sie will den Ratsuchenden nicht für eigene Ziele gewinnen. Das Ziel findet sich im Gespräch und wird allein von der Person bestimmt, die eine Seelsorgerin aufsucht.

Die Enge einer persönlichen Notlage kann sich weiten, wo einer oder eine uns aufmerksam zuhört. Dafür brauchen wir ein Gegenüber – keiner kann sich selbst zuhören: „Wenn ich dein Ohr nur habe, finde ich schon mein Wort.“

 

„Wenn ich dein Ohr nur habe, finde ich schon mein Wort.“

Ansprechpartner

Wenn Sie einen Seelsorger oder eine Seelsorgerin suchen, wenden Sie sich am besten an die Pastorinnen und Pastoren, die Diakone und Diakoninnen vor Ort.

Falls Sie als Mitglied im Kirchenvorstand ein Gespräch mit Ihrem Pastor/Ihrer Pastorin scheuen, mit dem/mit der sie auch inhaltlich zusammen arbeiten, so könnnen Sie sich auch an kirchliche Beratungstellen oder an die Pastoren der Nachbargemeinden wenden.

Adressen finden Sie im Telefonbuch unter dem Eintrag "Kirche".

Situationen kirchlicher Seelsorge

Kirchliche Seelsorge hat in unterschiedlichen Situationen ihren Platz: bei Begegnungen im Alltag, im Unterricht oder in der Jugendarbeit.

Bei Taufe, Trauung und Beerdigung sind seelsorgliche Gespräche besonders wichtig, weil dann deutliche Veränderungen im Leben eines Menschen anstehen.

Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum

Die häufigste Form der Seelsorge ist die des Einzelgespräches. In der Gemeinde oder im Krankenhaus, in der Schule oder im Gefängnis – Seelsorger bringen Zeit mit und Aufmerksamkeit, sich ganz auf ihr Gegenüber einzustellen. Sie sind dabei von der Überzeugung getragen, dass Gott unsere „Füße auf weiten Raum stellen“ wird (Ps. 31,9).

Ansprechpartner

Wenn Sie mehr wissen möchten zum Inhalt dieser Seite oder zu Fortbildungsmöglichkeiten in der Seelsorge, können Sie sich wenden an:

Pastor Andreas Kunze-Harper
Leiter des Pastoralklinikums an der Medizinischen Hochschule Hannover
Tel: 0511 5325247
www.pastoralklinikum.de