Die Kirchengemeinde

Evangelium und Sakramente

Bild: Ulrich Ahrensmeier

Gemeinde ist dort, wo das Evangelium verkündigt und die Sakramente richtig verwaltet werden. So versteht es die lutherische Kirche von Anfang an. Wenn das Evangelium nahe am Menschen mit seinem alltäglichen und sonntäglichen Leben sein will, muss es dort sein, wo die Menschen in einem sozialen Gefüge miteinander leben.

Ortsgemeinden und "kirchliche Orte"

Die Ortsgemeinde bleibt immer das Herz der Kirche, auch wenn sich das soziale Leben für viele Menschen nicht mehr lokal verorten lässt. Häufig müssen zum Arbeitsplatz erhebliche Strecken zurück gelegt werden und Freizeitzeitaktivitäten finden oft nicht dort statt, wo man wohnt.

Deshalb spricht man in der aktuellen Diskussion lieber von ‚kirchlichen Orten‘ als von der ‚Ortskirche‘ und von ‚übergemeindlichen Diensten‘. Kirchliche Orte sind Treffpunkte, an denen Menschen sich um das Evangelium sammeln. Sie sind meist an ein Gebäude (Kirche) gebunden, können aber auch ohne feste Örtlichkeit ein lebendiges Gemeindeleben entwickeln.

Selbstverantwortete Arbeit in der Gemeinde

Kirche baut sich von den Gemeinden her auf. Viele Gemeinden bilden zusammen eine Kirche. Dabei gewinnt die Gemeinde in Zukunft an Bedeutung. Die Landeskirche wird Anstellungsebene ein, der Kirchenkreis die Ebene der Planung. Die Gemeinde aber ist die Ebene der kirchlichen Praxis und selbstverantworteten Arbeit.

Der Kirchenvorstand gestaltet und verantwortet des Leben in der Gemeinde

In der Gemeinde feiern Menschen regelmäßig gemeinsam Gottesdienst und sind begleitet bei Geburt, Heirat, Tod, Krankheit und Jubiläen. Sie begegnen sich regelmäßig zum Gespräch über Gott und die Welt.

Seit ihrer Gründung sind die zentralen Aufgaben der Kirche Verkündigung, Lehre (Katechese), Diakonie und Mission. Diesen Auftrag setzt die Gemeinde vor Ort um. Hier wird Gottesdienst gefeiert, gebetet und gepredigt. Kinder und Jugendliche werden an den Glauben herangeführt, Erwachsene vertiefen ihre Beziehung zu Gott in Gesprächskreisen und Seminaren. Jede Gemeinde braucht ein diakonisches Projekt, das in die Gemeinde hineinwirkt und sich um Menschen außerhalb der Gemeinde kümmert. Gemeinde wirkt durch Wort und Tat werbend über die Gemeindegrenzen hinaus und in die Welt.

Der Kirchenvorstand gestaltet  und verantwortet diese Praxis gemeinsam mit dem Pfarramt unter Berücksichtigung der Ressourcen, die vor Ort zur Verfügung stehen (Menschen, Räume, Finanzen).

Die Arbeit des Kirchenvorstands wird verantwortungsvoller

Kirche baut sich von unten, von der Gemeinde her auf. Auch wenn es in der Praxis oft umgekehrt erscheint: Das Gewicht der Gemeinde wird zunehmen. Schon jetzt verwalten Kirchenvorstände oft Budgets, die den Haushalt von Ortsräten bei weitem übersteigen. Die Aufgaben eines Kirchenvorstehers bzw. einer Kirchenvorsteherin werden deshalb immer kostbarer und verantwortungsvoller.

 

Die Gemeinde als Teil der Landeskirche

Gemeinden brauchen Kontakt und Verständigung mit ihren Nachbargemeinden. So entstehen aus der Summe der vielen Gemeinden die Kirchenkreise und schließlich eine Landeskirche. Die Vertretung der Gemeinden im Kirchenkreistag und der Landessynode beschließt auf demokratischem Weg diesen Rahmen für die Arbeit.

Schaubild zu Aufbau und Struktur der Landeskirche

Die Gemeindeversammlung

Sie ist die Versammlung der wahlberechtigten Gemeindeglieder, die vom Kirchenvorstand über die Gemeindeentwicklung des zurückliegenden Jahres und über die Pläne für den kommenden Jahreszeitraum informiert wird;

  • die Gemeindeversammlung muss 1 x im Jahr vom Kirchenvorstand einberufen werden; bei Bedarf kann das aber auch öfter geschehen.
  • Wenn mehr Gemeindeglieder als die 6-fache Zahl der Kirchenvorsteher einer Gemeinde eine Gemeindeversammlung beantragen, muss sie vom Kirchenvorstand einberufen werden.

Schaubild zu Aufbau und Struktur der Landeskirche

Der Gemeindebeirat

Er wird vom Kirchenvorstand auf Wunsch des Pfarramts oder der Gemeindeversammlung gebildet. Seine Aufgabe ist die Förderung des Gemeindelebens und sowie die Unterstützung von Pfarramt und Kirchenvorstand. Ein Gemeindebeirat soll aus mindestens acht Personen bestehen, die nicht dem Kirchenvorstand angehören dürfen.

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