Wissenstransfer im Kirchenvorstand

Wer neu eine Aufgabe oder Position übernimmt, sieht sich mit vielen Erfahrungen und Erwartungen, Gewohnheiten und geregelten Arbeitsabläufen konfrontiert. In der Regel kann man vom Wissen der Vorgänger profitieren.

Formen des Wissenstransfers in Kirchenvorständen

Es hat sich bewährt, an den Anfang jeder Übergabesituation eine Lesephase zu setzen, denn häufig ergeben sich daraus Fragen, die anschließend geklärt werden können. Die notwendigen Vorarbeiten für die Übergabe sollte das Pfarrbüro oder Pfarramt erledigen.

Selbststudium: Listen, Protokolle, Sammlung der Gemeindebriefe,  Gottesdienstordnungen etc. sollten bereit liegen, um den „Wissensnehmern“ einen guten Einblick zu ermöglichen. Das Lesen dieser Unterlagen kostet einige Zeit, die sich die „Neuen“ nehmen müssen.

Beispiel einer Aufstellung von Unterlagen für den neuen Kirchenvorstand

Hinter jedem Thema wird der Ort genannt, an dem Sie das gesuchte finden sollten.

  • Organigramm der Landeskirche Handbuch für KV
  • Organigramm der Gemeinde Pfarrbüro
  • Gebäudebestand Liste im Pfarrbüro
  • Personal, beruflich Namensliste im Pfarrbüro
  • Personal, ehrenamtlich Namensliste im Pfarrbüro
  • KV-Ausschüsse bisher Namensliste im Pfarrbüro

Kollegiales Gespräch im Kirchenvorstand

Dieses Gespräch ist nicht als reguläre Kirchenvorstandssitzung gedacht, sondern als ein Termin zu Beginn der Amtszeit, der ausschließlich dem kollegialen Austausch dient.

Die Themen des Gesprächs sollten sich an einem festen Raster orientieren. Es ist Aufgabe der Sitzungsleitung, für klare Strukturen zu sorgen und beispielsweise sicher zu stellen, dass Wichtiges an erster Stelle steht.

Ein mögliches Themenraster finden Sie in der Box am rechten Rand.

Gemeinsame Klausur des alten und neuen Kirchenvorstandes

Bei einer gemeinsamen Klausur lassen sich bewährte Abläufe und die Praxis der Kirchengemeinde kennen lernen. Eine solche Klausur hat vor allem den Zweck, das implizite Wissen der Kirchengemeinde zu erkunden.

Möglicherweise kommen auch „alte Geschichten“, Verletzungen, Missverständnisse und Kränkungen zur Sprache. Die Aufarbeitung problematischer Erfahrungen soll aber nicht den Schwerpunkt der Klausur bilden. Der Blick sollte sich vielmehr auf die künftige Zusammenarbeit richten.

Implizites Wissen ist fast immer mit persönlichen Einschätzungen verbunden. Nehmen Sie sich deshalb – wenn möglich – einen ganzen Nachmittag oder Abend Zeit. Strukturieren Sie im Vorfeld die Schwerpunkte des Gesprächs. Halten Sie die wichtigen Punkte auf einer Wandzeitung oder in einem vertraulichen Protokoll fest.

Diese Klausur muss von Vertrauen und Vertraulichkeit geprägt sein, damit auch das „verborgene“ Wissen“ weitergegeben werden kann.

Beispiel für Themen der Klausur des alten und neuen Kirchenvorstands

  • Das Leitbild unserer Gemeinde – wie ist es formuliert?
  • Welche Personen im Umfeld der Gemeinde sind für uns besonders wichtig?
  • Welche Traditionen sind uns lieb, von welchen sollte wir uns verabschieden?
  • Netzwerke und Seilschaften in der Gemeinde – wie können wir sie nutzen,
    wovor sollten wir uns in Acht nehmen?
  • Fragen und Probleme, mit denen sich der Kirchenvorstand immer zu befassen hat – was steckt dahinter?
  • Kontakte zu Vereinen – wer kann sie pflegen?
  • Mit welchen Macken, Marotten und Merkwürdigkeiten müssen wir in unserer Gemeinde leben?
  • Was ist das Besondere unseres Gemeindelebens?
  • Wo sind Fettnäpfe aufgestellt, wo liegen Tretminen?
 

Explizites – Implizites Wissen

Grafik: HkD

Explizites (dargelegtes) Wissen ist beschreibbar, offen zu kommunizieren und häufig als Datenmaterial vorhanden. Hierzu gehören in Kirchengemeinden beispielsweise Namenslisten wichtiger Personen, Kirchenvorstandsprotokolle usw.

Implizites (unausgesprochenes) Wissen ist häufig Erfahrungswissen. „Was sind die Besonderheiten dieser Gemeinde?“ – „Wo gibt es problematische Beziehungen?“ – „Welche Traditionen oder Eigenheiten müssen berücksichtigt werden?“ Implizites Wissen wird in der Regel nicht über Akten oder Schriftstücke weitergegeben, sondern bestenfalls durch Gespräche.

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Kollegiales Gespräch im Kirchenvorstand – Themenraster

  • Profil der Gemeinde
  • Blick auf das Gemeindeleben
  • Aufgaben des KV
  • Aufgaben des Pfarramtes
  • Soziale Daten der Gemeinde
  • Regelungen für Gottesdienste
  • Regelungen für Amtshandlungen
  • Gemeindebrief
  • Gruppen und Kurse
  • Regelungen für Jahresgespräche
  • Diakonie in der Gemeinde
  • Land der Kirchengemeinde
  • Wer repräsentiert wann und wie?
  • Regelungen zum Abendmahl
  • Regelungen zum Umgang mit Ausgetretenen
  • Visitation
  • Regelungen für Protokolle

Fortbildung und Beratung...

Fortbildungen helfen, explizites Wissen über allgemeine kirchliche Zusammenhänge zu erwerben. Implizites Wissen über die jeweils eigene Kirchengemeinde kann dort allerdings nicht erlangt werden. Die Evangelische Landeskirche Hannovers hält Fortbildungen für Kirchenvorstände und ein umfangreiches Beratungsangebot vor.

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