Andachtsimpuls Dezember 2016

Es ist ein Ros entsprungen

„Dann wird ein Zweig aus dem Baumstumpf Isais austreiben, und ein Spross wächst aus seiner Wurzel heraus. Auf dieser Person wird der Geisthauch Gottes ruhen…“
Jes 11, 1-2a (BigS)

Mit dem Bild vom Zweig aus der alten Wurzel Jesse verkündet der Prophet Jesaja eine Heilsbotschaft. Sie wird in eine dunkle Zeit hineingesprochen. Das einst so prachtvolle Reich von König David ist zerfallen. Wie abgestorben liegt es da. Das Volk Israel ist nur noch ein toter Wurzelstock.

Doch Jesaja kündigt an: Die Finsternis wird nicht bleiben, weil Gott ein Kind in die Welt sendet, einen Sohn aus dem Geschlecht Davids. Es wird einen neuen Anfang geben, neues Leben, weil Gott Leben schafft und Leben schenkt.

Das ist eine Botschaft! Jesaja ist ein Seher. Von Gott hat er etwas zu sehen bekommen. Mitten in der Wirklichkeit des Vergänglichen schaut er das Leben. Gegen alle Wahrscheinlichkeit sieht er das Wunder eines neuen Anfangs. Und er lässt es uns schauen: Etwas Neues, etwas Zartes, Zerbrechliches wächst aus dem abgestorbenen Stumpf: Eine Rose – das Zeichen der Liebe. Mag der Tod auch endgültig scheinen, die Kraft der Liebe ist stärker!

Aus dem Reis ist die Rose geworden. Im Lied „Es ist ein Ros entsprungen" wurde es ein Bild für uns: Mitten im kalten Winter beginnt eine Rose zu blühen. Es gibt Leben. Auch wenn alles dagegen zu sprechen scheint. So weissagt Jesaja – und Lukas, der Evangelist, erzählt die Weihnachtsgeschichte. Das Reis wird lebendig in einem Kind, hilflos und klein. Eine lebendige Kraft geht von ihm aus. Sie steckt die Menschen an. Als würde Gott in diesem Kind sein „Dennoch" sprechen und sagen: Mag dir auch alles dunkel und leblos vorkommen, meine Liebe ist stärker.

Welch eine Botschaft! Eine Botschaft im Widerspruch:
Da leben die Menschen in der Finsternis und Gott öffnet den Himmel mit seinem Glanz. – Da wird ein Kind in Armut geboren, und es ist der Erlöser und Heilsbringer Jesus!

In die Widersprüchlichkeit des Lebens ist die Christnacht gestellt. Auch heute: Da bedrücken uns die täglichen Berichte von Opfern durch Terror und Gewalt, wir sehen die Flut der flüchtenden Menschen. Gleichzeitig kümmern und sorgen sich unendlich viele ehrenamtlich um ihre Versorgung. – Da wird mit Großkundgebungen Fremdenhass geschürt. Dem gegenüber stellen sich Menschen auf und demonstrieren friedlich für Toleranz.

Die Botschaft der Heiligen Nacht blüht auf. Wir sind mit hineingenommen. Immer da, wo Menschen sich auf die Seite des Lebens stellen, wo sie Zeichen setzen dafür, dass die Liebe stärker ist, fängt die Wurzel an zu spriessen.

Herma Mahne, Hildesheim

 

Aus Jesaja 11

„Dann wird ein Zweig aus dem Baumstumpf Isais austreiben, und ein Spross wächst aus seiner Wurzel heraus. Auf dieser Person wird der Geisthauch Gottes ruhen…“

Jes 11, 1-2a (BigS)