Andachtsimpuls Febraur 2016

Da nahm Mirjam, die Prophetin und Schwester des Aaron, ihre Pauke zur Hand. Alle Frauen folgten ihr, sie trommelten und tanzten. Mirjam sang ihnen vor.

Ex 15,20 (BigS)

Seit vielen Jahren tanze ich mit Frauen in der Kirche. Gott im Tanz zu loben und zu preisen hat eine lange Tradition.
Wenn Menschen hören, wir tanzen in der Kirche, haben sie nur eine Ahnung, was dort geschieht.

Unsere „Bewegten Andachten" erlebe ich als eine Form des Miteinander-Feierns, bei der ich mit allen Sinnen dabei sein kann. Mehr als oft mit Worten möglich ist, kann im Tanz der „Umgang" mit dem Thema zu einer intensiven Erfahrung werden. Mich einzulassen auf den Tanz bedeutet, mich einlassen auf mich, auf meinen Körper, meine Seele und meinen Geist. Ich entdecke, dass ich mehr als die Sprache habe, mich auszudrücken.

Beim Tanz geht es „ums Ganze", um Tod und Leben, ich erfahre das Hohe und das Niedrige, das Große und das Kleine, ich darf jubeln und traurig sein. Sehnsucht und Erfüllung finden ihren Ausdruck: Einsamkeit und Gemeinschaft, das Zusammensinken und das Über-sich-Hinauswachsen. Im Tanz darf ich erfahren, dass sich das Chaos ordnet und eine Harmonie entsteht, ich kann eine Mitte finden, um die sich alles dreht.

So stelle ich mir Mirjam vor. Wie sie auf ihre Füße sprang und zu tanzen begann, vor und zurück, schleppende Schritte wechselnd mit schnellen Schritten, ein Symbol ihres langen Weges in die Freiheit.

Mirjam trommelte und alle tanzten hinter ihr her. Mirjam und die Frauen feierten die Errettung aus der Gefahr, in die Gefangenschaft zurückkehren zu müssen, der sie eben entkommen waren. Die biblisch so zentrale Exodus-Geschichte beschreibt die Frauen als prophetische Mitgestalterinnen dieses Übergangs: Sie treten öffentlich auf, benennen die Situation und fordern mit viel „Power" zum Gotteslob mit allen Sinnen auf, das sie selbst schon singend, tanzend und trommelnd in Szene gesetzt haben.

So tanze ich in diesen Wochen mit den Tanzfrauen Friedenstänze für die vielen Flüchtlinge, die in Deutschland eine neue Bleibe suchen. Auch sie haben Krieg erlebt, haben keine Hoffnung auf eine Zukunft in ihrer Heimat. Sie träumen, wie Miriam, den Traum vom gelobten Land.

Möge Frieden für diese Menschen einkehren und möge die Lebensfreude zurückkommen, dass auch sie wieder tanzen können. Mögen die Menschen in Europa ihre Herzen öffnen für die Flüchtlinge und für eine gemeinsame Zukunft. Der Tanz verbindet unterschiedliche Kulturen. Ich bin sehr froh, diese Tanzsprache mit vielen Frauen teilen zu dürfen und hoffe, noch viele „Bewegte Andachten" in der Kirche feiern zu können

Marga Renz, Lüneburg
 

 

Aus dem 2. Buch Mose

Da nahm Mirjam, die Prophetin und Schwester des Aaron, ihre Pauke zur Hand. Alle Frauen folgten ihr, sie trommelten und tanzten. Mirjam sang ihnen vor.

Ex 15,20 (BigS)