Andachtsimpuls Januar 2016

„Das Mehl im Topf geht nicht zu Ende und das Öl im Krug nimmt nicht ab bis zu dem Tag, an dem die Ewige es auf den Erdboden regnen lässt.”

1. Kön 17,14 (BigS)

„Es war einmal ein armes frommes Mädchen, das lebte mit seiner Mutter allein, und sie hatten nichts mehr zu essen." So beginnt das Märchen der Gebrüder Grimm vom süßen Brei. Eine alte Frau schenkt dem Kind ein Töpfchen, das auf den Zuruf: „Töpfchen koche" guten süßen Hirsebrei produziert, auf „Töpfchen, steh" aufhört zu kochen. Mutter und Tochter sind nun alle ihre Sorgen um die Existenz los.

Ähnliches erzählt uns die Bibel vom Propheten Elia und der Witwe. Es ist lange kein Regen gefallen, eine Hungersnot sucht das Land heim. Gott schickt den Propheten zu einer Witwe, damit sie ihn versorge. Er trifft sie beim Holzsammeln, bittet um Wasser und Brot. Sie erklärt ihm ihre Lebenssituation, sie habe für sich und ihren Sohn nichts Gebackenes mehr, habe nur noch eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Daraus wolle sie etwas zubereiten und wenn das aufgegessen sei, dann müssten sie beide sterben. Der Prophet ermuntert sie, etwas zuzubereiten für sie alle, Gott werde schon für sie sorgen. „Da ging sie hin und handelte nach Elias Anweisungen, und sie hatte zu essen, er und sie und ihr Haus, Tag für Tag."

Zwei Frauen, eine mit ihrer Tochter, eine mit ihrem Sohn lebend, jede in einer prekären Lage: Es ist nichts zu essen da. Im Märchen ist es eine alte Frau, die hilft und das Töpfchen bereitstellt. In der biblischen Geschichte hat der Helfer von Anfang an einen Namen: Gott. Ihm vertraut die Witwe, auch wenn sie ihn nicht als ihren Gott bezeichnet, sondern als den des Propheten. Und der hat keinen Zauberspruch parat, wohl aber die Zusage, dass Mehl und Öl nicht alle werden, bis Regen kommt und wieder etwas wächst.

Im Märchen und in der biblischen Geschichte werden alle satt. Im Märchen gibt es aber noch eine dramatische Wendung: Die Mutter weiß nicht, wie sie das Kochen zum Stillstand bringen kann. Der Brei hat schon das Haus und die ganze Umgebung zugedeckt, als das Mädchen nach Hause kommt und das erlösende Wort spricht. Die ganze Welt erstickt im süßen Brei. Die Vorstellung macht mir Angst! Was will das Märchen mir sagen? Geh auch mit dem Überfluss verantwortungsvoll um, damit du daran nicht zugrunde gehst?

Die biblische Geschichte geht ganz unspektakulär zu Ende: Kein Überfluss, aber genug zum Leben, nicht nur einmal, sondern Tag für Tag. Für mich heißt das: Sei ohne Sorge, hab Vertrauen in Gottes Handeln. Das bedeutet nicht, die Hände in den Schoß zu legen und darauf zu bauen, dass Gott es schon richten wird. Das hat die Witwe auch nicht getan. Wer sich von Gott geliebt und angenommen weiß, darf mit seiner Hilfe rechnen, von ihm das Unmögliche erwarten. Das klingt märchenhaft, ist aber im Leben vieler Menschen schon Wirklichkeit geworden.

Ursula Duensing

 

Aus dem 1. Könige-Buch

„Das Mehl im Topf geht nicht zu Ende und das Öl im Krug nimmt nicht ab bis zu dem Tag, an dem die Ewige es auf den Erdboden regnen lässt.”

1. Kön 17,14 (BigS)