Andachtsimpuls Juli 2016

Meine Würde tanzt!

Schon seit einigen Jahren kann ich mir fast keine schöneren Psalm-Worte für eine Lebens- und Kraftquelle vorstellen als diese Verse des 16. Psalms. Sie sind mir allerdings auch deshalb so nahe gekommen, weil mir die Übersetzung in der Bibel in gerechter Sprache für diesen Psalm besonders gut gefällt.

Beim Sprechen kommt mir gleich in den Sinn, die Verse mit einem Pinsel in allen Farben zu malen. Aus Worten wird so ein kleines Schreibgemälde. Und auch singen würde mir sehr gut gefallen, in eigenen Melodien!

Gleich in Vers 8 gibt es einen Namen für Gott: ha-Makom, das heißt „der Ort" (mehr dazu kann in der BigS nachgelesen werden). Erhoffen wir uns nicht immer wieder, Gott als sicheren Ort zu finden? Lieber noch ersetze ich ha-Makom jedoch mit der Heilige.

Sehr viel bedeutsamer sind für mich jedoch die Bilder, die in mir beim Sprechen des Psalms entstehen. Bei „so wanke ich nicht" kommt mir eine Fülle von Worten aus der Bibel in den Sinn: Gott als Stütze, als Fels, als fester Stab. Menschen haben damals und heute ein großes Bedürfnis, sich bei Sorgen, Leid, Schmerzen oder Trauer an etwas anzulehnen, einen ganz sicheren Ort zu finden, der Halt gibt. Dies geschieht immer wieder auch durch unsere Mitmenschen. Wie kann ich diesen Halt sehen? War da nicht gerade ein freundlicher Blick einer Kollegin, als meine Kopfschmerzen zu stark wurden? Und die Traurigkeit im Gesicht einer Nachbarin zeigt mir, dass es gut wäre, ihr zu signalisieren, dass ich Zeit für sie hätte? Sollte ich nicht sehr schnell meinen Bruder besuchen, der so sehr in Resignation versinkt?

Ein anderes Bild: „Du überlässt mein Leben nicht dem Totenreich". Ein Gemälde entsteht in mir mit sehr dunklen Farben und einem kleinen Schwall an Grün und Gelborange, der sich überall in dem gemalten Totenreich kleine Wege bahnt. Mir könnte aus dem Betrachten des kleinen Bildes neuer Mut entstehen, nicht aufzugeben, wenn ich mit schrecklichen Schmerzen nach einer Operation endlich wieder zu Hause bin. Es ist nicht alles gut, aber ich brauche dann den Gedanken an Gottes Gegenwart. Und könnte dieser Gedanke doch als Farbe in meinen Sinn schlüpfen. Ein neuer Lebensfunke – wie heilsam!

Der wunderbarste Satz in diesem Psalm ist für mich aber „Meine Würde' tanzt"! Wieviel Freude und Bewegung drückt sich in diesem Bild aus. Ich bin nicht nur wertvoll, sondern Gott zeigt mir, wie ich leben darf. Wie oft fühle ich mich schwer und belastet, drücken mich die gesellschaftlichen Zustände und lässt mich Ohnmacht, nichts ausrichten zu können, ganz klein werden. Wie finde ich nur heraus aus diesem Dilemma? Die Stille, z. B. auf einer Bank draußen am Weg oder im Kiefernwald, ermöglicht Besinnung, auch auf dieses Psalm-Wort: MEINE WÜRDE TANZT! Die Verse in sich klingen lassen, sie mit anderen sprechen, die Bilder kommen lassen….

Was für ein Glück, dass es Psalmen gibt!

Hanne Finke, Hannover
 

 

Aus dem 16. Psalm

„Immerzu ist ha-Makom mir gegenwärtig.
Ist Gott zu meiner Rechten, so wanke ich nicht.
Darum freut sich mein Herz. Meine Würde tanzt!
Mein Körper ist wirklich in Sicherheit.
Du überlässt mein Leben nicht dem Totenreich.
Du lässt nicht zu, dass die,
die dich lieben, das Grab sehen.
Du zeigst mir den Pfad des Lebens:
Freudenfülle vor deinem Antlitz,
Zärtlichkeit in deiner Rechten immerzu.”

Ps 16,8-11 (BigS)