Andachtsimpuls Juni 2016

All eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

1. Petr 5,7 (L)

Dieser Satz begleitet mich schon 70 Jahre. Ich mag ihn, weil mein Vater ihn für mich als Taufspruch ausgesucht hat. Er wollte sicher, dass ich ein unbeschwerter, fröhlicher Mensch werde und dass ich eine Adresse habe, wenn es schwer wird im Leben. Ich bin ihm dankbar dafür.

Mich hat mal ein Kind gefragt: „Wie geht das eigentlich, Sorgen auf Gott werfen?"

Gute Frage, schwer zu beantworten, obwohl ich schon so lange mit diesem Satz lebe. Ich weiß nicht mehr, was ich genau gesagt habe, aber später fiel mir ein – und das hatte erstmal gar nichts mit Gott zu tun –, dass ich schon von Kindheit an immer wieder in Chören gesungen habe. Unzählige Male in meinem Leben habe ich mich eingesungen, meinen Atem gespürt, tief ein- und ausgeatmet, mich gelockert. Und ich hatte mich dann leicht gefühlt, hatte meine Stimme gehört, konnte mich konzentrieren. Meine Seele hatte sozusagen aufgeatmet und der Alltag war vergessen.

Ich kenne auch Menschen, die haben mir erzählt, dass sie sich frei singen. Früher sangen und pfiffen die Leute ja viel mehr als heute. Das war nicht nur für ihre Lunge gut, sondern auch für den inneren Menschen. Ob man dabei richtig oder falsch singt, das ist ziemlich egal. Es gehört eigentlich nur Freude und Lust dazu, so ein bisschen Hoffnung.

Obwohl ich das alles weiß, gibt es Situationen, wo ich kurzatmig werde, nervös oder traurig, wo mein Brustkorb eng wird, wo meine Seele fast nicht mehr atmen kann. Wenn ich dann eine Freundin finde, der ich vertrauen kann, der ich alles sagen kann, der ich meine Sorgen abgeben kann, dann kann meine Seele wieder aufatmen.

So eine Freundin kann auch Gott sein. Ich kann alles ausatmen und damit abgeben – Gott abgeben – was mich belastet. Ich darf vor Gott aussprechen, was ich nicht schaffe und was ich falsch mache. Ich könnte eine ganze Menge Fehler und auch Schuld nennen, worunter ich leide. Das macht mich dann seelisch kurzatmig. Dann halte ich mich daran, dass Gottes Liebe größer ist als mein Versagen und meine schwache Kraft.

Aber es gibt auch Sorgen, die mich mein Leben lang begleiten werden: ein krankes Kind zum Beispiel. Gerade diese Sorge kann ich immer auf Gott werfen und Gott fängt sie auf im Gespräch, im Gebet.

Zum Beispiel abends vor dem Einschlafen oder morgens vor dem Aufstehen. Dazu muss ich mir aber etwas Zeit nehmen. Ich atme langsam und ruhig aus. Ich atme langsam und tief ein. Und das mehrmals. Das tut mir gut! Mir geht es dann so, dass ich viel ruhiger werde und richtig aufatme. Dann sehe ich dem Tag und seinen Aufgaben oder der Nacht gelassener entgegen. Ich mache es dann mehrfach im Laufe, des Tages. Manchmal singe ich auch.

Dann spüre ich, dass ich dankbar werden kann. Das ist mein seelisches Wiederaufatmen, Durchatmen. Das ist für mich: All deine Sorgen wirf auf Gott, denn Gott versorgt dich, beschützt dich, ist da für dich.

Wie gut, wenn uns jemand auf diesen Gott, auf das Befreiende unseres Glaubens wieder aufmerksam macht, so, wie ein Gespräch oder wie es der Liederdichter Paul Gerhard schon vor fast 400 Jahren ausdrückte in dem Lied EG 324, Strophe 15:

„Was kränkst du dich in deinem Sinn  
und grämst dich Tag und Nacht?
Nimm deine Sorg und wirf sie hin
auf den, der dich gemacht."

Gabriele Buisman,  Ostfriesland

 

Aus dem 1. Petrusbrief

All eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

1. Pe tr 5,7 (Lutherbibel)