Andachtsimpuls Mai 2016

Tagebuchaufzeichnungen, Wanderritt durch die rumänischen Karpaten

Schon seit ein paar Tagen zieht unser Pferdetross durch die Berge. Wir leben wie unsere Urahnen im Zeltlager und kochen am offenen Feuer, wir essen den Schafskäse von den Almen, trinken Quellwasser und Tee, aus Kräutern gekocht, die auf den Berghängen zuhause sind.

Der Rittführer treibt unaufhörlich seine Stute voran, zieht die ganze Herde durch die Berge, vorbei an Schafherden und bellenden Hütehunden. Sein Ziel, sein Treiben hält die Gruppe zusammen, auch wenn die Abstände zwischen den Pferden an einigen Stellen immer größer werden.

In diesem Sommer ist das Wasser in Rumänien knapp, nicht nur auf den Campingplätzen stehen Hinweisschilder mit der Bitte, Wasser zu sparen, auch in den Bergen sind wir Stunden unterwegs und ziehen an Tränken vorbei, die trocken sind. Unser Rittführer legt die Strecke des Rittes so, dass wir am Abend ganz gewiss einen Wasserplatz für die Pferde und uns erreichen.

Sobald wir einen Lagerplatz für die Nacht gefunden haben, beschäftigt sich ein Teil der Gruppe mit dem Aufbauen der Zelte und sammelt Holz für das Feuer, andere gehen mit den Pferden an den Tränkeplatz, dabei brauchen nur die Leitstute und die neu zugekauften Pferde geführt zu werden, die anderen Pferde laufen mit, laufen in dem Wissen mit, dass wir einen Wasserplatz aufsuchen werden.

Dort, wo Wasser zu einem Rinnsal zusammenläuft, halten die Pferde vorsichtig ihre Nüstern in die Pfütze, riechen aufmerksam, wählerisch ziehen sie den Kopf von einer Lache zur nächsten Wasserstelle. Sie saufen nur dort, wo das Wasser nicht aufgewühlt ist, wo es nicht von Kuh- oder Schafherden vorher in Beschlag genommen wurde. Ganz vorsichtig tauchen sie ihr Maul in die klaren Wasserstellen und ziehen das Wasser in den Schlund hoch. Sie lassen sich nicht täuschen, gehen nach einem anstrengenden Arbeitstag keinen Kompromiss ein, erkennen die Wasserqualität an dem Geruch und dem Geschmack, sie wissen, was für sie gut ist. Wir müssen solange eine Wasserstelle suchen, bis die Pferde zufrieden saufen, auch wenn unsere Knie schmerzen und jeder Schritt in der Hitze zur Qual wird. Die Pferde zeigen uns den Weg zum frischen Wasser. Und ich frage mich, wer hier wen führt?       

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
Und führte mich zum frischen Wasser.

Psalm 23,1-2 (nach der Übersetzung Martin Luthers)

Gisela Mustermann-Fiedler, Ostfriesland

 

Aus dem 23. Psalm

Adonj weidet mich, mir fehlt es an nichts;
Auf grüner Wiese lässt Gott mich lagern,
zu Wassern der Ruhe leitet Gott mich sanft. 

Ps 23,1-2 (BigS)