Andachtsimpuls April 2015

Als kleines Mädchen – bereits mit vier Jahren – ging ich regelmäßig am Sonntagnachmittag in den Kindergottesdienst. Der Nachmittag war immer ein Highlight der Woche, obwohl meine Freundin und ich ca. 1 1/2 km von der Kirche entfernt wohnten und zu Fuß gehen mussten.

Im Kindergottesdienst hörten wir Geschichten aus der Bibel. In der Passionszeit berührte mich ganz besonders das Leiden und Sterben Jesu. Ich weiß noch genau, wie ich beim Hören der Kreuzigungs- und Sterbeszene weinte. Es wollte mir nicht in meinen kleinen Kopf, dass ein Mensch auf so grausame Weise hingerichtet wurde.

Was hatte er getan? Nichts! Ich war böse auf die Menschen, die Jesus misshandelten und schlugen. Warum taten sie so etwas? Hätte Gott nicht eingreifen können? Auch das konnte ich nicht nachvollziehen. Wir waren doch noch Kinder.

Was ist überhaupt Sünde?

Was ist überhaupt Sünde? Mit dem Älterwerden sah ich die Dinge differenzierter. Mir wurde klar, dass es doch sehr viel durch den Menschen verursachtes Leid gab, gibt und immer geben wird. Das Wort „Sünde" kommt von dem Begriff „Sund", das bedeutet „Graben" oder „tiefe Schlucht", die uns von Gott trennt, und Gott überwindet den Graben durch den Tod Jesu. Das hatte ich für mich verstanden.

Jesus am Kreuz. Eine grausame Szene. Viele Schaulustige verfolgen das Geschehen. Unter ihnen auch viele Frauen, die Jesus nachgefolgt waren und jetzt fassungslos auf den Menschen schauen, von dem sie so viel erwartet hatten. Sie mussten miterleben, dass er verspottet und geschlagen wurde. Einen Königsmantel hatte man ihm umgehängt und einen Kranz aus Dornen auf sein Haupt gesetzt. Er hatte gesagt: „Ich bin Gottes Kind." Darüber lachten die Hohepriester und Gelehrten. Das konnte doch nicht wahr sein. Gott würde den Sohn doch nicht so leiden lassen. Doch Jesus stirbt. – Dann gibt Gott ein Zeichen. Die Erde bebt. Im Tempel zerreißt der Vorhang in zwei Teile. Die Sonne verfinstert sich. Gräber tun sich auf. Die unter dem Kreuz versammelten Menschen, unter ihnen auch der Hauptmann und die Soldaten, erschrecken und fürchten sich vor diesem Geschehen. Sie bekommen eine Ahnung davon, dass hier kein gewöhnlicher Mensch gestorben ist. Sie erkennen plötzlich: Jesus hat von sich gesagt: „Ich bin Gottes Kind." Das ist die Wahrheit.

„Dieser Mensch ist wahrhaftig Gottes Kind."

Späte Erkenntnis, wir wissen nicht, wie der Lebensweg des Hauptmanns und der Soldaten weiterging. Wie hätte ich mich verhalten, wenn ich zu der Zeit gelebt hätte? Ich weiß es nicht. Da ich aber 2000 Jahre später lebe, habe ich das Neue Testament, um über Jesu Wirken etwas zu erfahren. Ich muss für mich selbst die Erkenntnis gewinnen, ob Jesus Gottes Kind ist. Letztendlich muss ich es glauben. Glauben kann ich aber nicht aus mir selbst. Ich kann im Gebet darum bitten, dass die Heilige Geistkraft mich inspiriert und auch ich sagen kann: „Dieser Mensch ist wahrlich Gottes Kind."

Grete Aden, Aurich

 

Monatsspruch für April 2015

Der Hauptmann und die Leute, die mit ihm Jesus bewachten, sahen das Erdbeben und die anderen Geschehnisse und erschraken sehr. Sie sagten: „Dieser Mensch ist wahrhaftig Gottes Kind."

Mt 27,54 (BigS)