Andachtsimpuls Januar 2015

Einander annehmen: so, wie ich angenommen worden bin

Das wäre eine schöne Traumwelt, wenn ich mir den Alltag im Berufsleben oder an Schulen anschaue. Am besten sind doch alle genormt und funktionieren, dann ist das Leben viel leichter und es gibt keine Probleme. Niemand schert aus der Reihe. Aber halt: so ein „Null-acht-fünfzehn" Leben, nein, bei alten Problemstellungen, die sich ergeben, da ist mir der bunte Haufen, der zusammengehütet werden muss, allemal lieber. Bei diesem Vorhaben gerate auch ich täglich ins Hadern: fühle mich angefochten, wenn sich jemand unfreundlich an mir vorbeidrängelt, mir die Vorfahrt nimmt, mir mit Worten oder Gesten zu verstehen gibt, wie wenig geschätzt wird, was ich tue, wie ich bin.

Auch ich muss an mich halten, damit ich nicht die Augen rolle, weil schon wieder zum x-ten Mal die gleiche Anmerkung kommt, die ich nicht mehr hören mag, das ist für mich nicht leicht auszuhalten.

Begegnung mit denen, die anders sind und denken als ich, das ist eine Aufgabe, an der ich selbst wachse und die mich bereichert – auch wenn das nicht gleich erkennbar ist. Mein Horizont für mein Denken und Handeln wird erweitert, und mein Mitgefühl, die Fürsorge für andere, ist gefragt: die Achtsamkeit.

Ich sehe nicht nur auf mich, sondern auch auf die andere und so kann Leben sich erst entfalten, in seiner ganzen Vielfalt der Schöpfung, wie sie nach meinem Verständnis gemeint ist. Im Miteinander mit anderen, im Gegenüber sehen können, wie Gott die Welt erdacht hat und welche Lebensaufgabe mir gestellt ist, das geht nicht allein. Außerdem ist es geben und nehmen, schenken und beschenkt werden durch Aufmerksamkeit, Verständnis, Stärkung und gemeinsame Wege.

In der Nachfolge Jesu sein, heißt für mich, zu versuchen, so gut es mir möglich ist, Jesus als Vorbild für mein Verhalten zu sehen. Andere annehmen und selbst zu spüren, angenommen zu sein: ein Traum, für den es sich lohnt, auf dem Weg zu sein.

In Rücksicht und Umsicht das mir Fremde beachten und Wert schätzen, denn: Ehre sei Gott!

Cornelia Reeders, Diakonie, Referentin des Frauenwerks im Sprengel Hildesheim-Göttingen

 

Jahreslosung für 2015

Deshalb nehmt einander an, so wie der Messias euch, angenommen hat. Damit ehrt ihr Gott.

Röm 15,7 (BigS)