Gottesdienstordnung

Zu Gast im Haus Gottes

Ein Gottesdienst ist vergleichbar mit dem Besuch eines besonderen Fests. (Siehe Kasten rechts) Unser Gottesdienst folgt diesem vertrauten Verlauf, ist aber mehr als eine Begegnung zwischen Menschen. Gottesdienst ist eine Begegnung zwischen Mensch und Gott. Wir sind zu Gast in Gottes Haus.

So kann ein Gottesdienst ablaufen

Im Folgenden wird ein beispielhafter Gottesdienstablauf vorgestellt. Es gibt viele Variationsmöglichkeiten. Diese sind ausführlich beschrieben im Evangelischen Gottesdienstbuch.

1. Eröffnung und Anrufung

Glockengeläut und das musikalische Vorspiel helfen uns beim Übergang aus unserem Alltag in den besonderen Raum des Gottesdienstes. Eine persönliche Begrüßung am Eingang und der Gruß bzw. das Votum heißen uns willkommen und machen deutlich, in wessen Namen wir zusammen feiern: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Es folgen mehrere liturgische Stücke, in denen alles Raum hat, was uns auf der Seele liegt.

  • Ein fröhliches Lied zeigt unseren Dank für einen schönen Morgen.
  • Im Wechsel zweier Gruppen wird dann ein Psalm angestimmt. Psalmen sind Jahrtausende alte Gebete. In ihren Bildern finden wir unsere eigene Lebenssituation wieder, ohne dass wir selbst nach Worten suchen müssten. „So, als wären sie um deinetwillen gesprochen worden“, hat Martin Luther einmal gesagt.
  • Wir singen das ‚Ehre sei dem Vater‘. Dieser Lobruf schließt den Psalm ab und erinnert uns an unsere Taufe auf den dreieinigen Gott.
  • Nun folgen die Wechselgesänge des Kyrie und Gloria.
    • Das griechische Kyrie eleison bedeutet „Herr, erbarme dich“. Es ist die flehende Bitte: Hilf mir doch! So haben Menschen nach Jesus gerufen. In diesen Ruf können wir alle unsere Sorgen legen.
    • Das lateinische Gloria ist nun das Gegenteil vom Hilferuf: „Ehre sei Gott in der Höhe“ ist ein jubelndes Lob Gottes. Es ist das Lied der Engel über dem Hirtenfeld in der Weihnachtsnacht. Mit diesem Lob danken wir für alles Schöne und erinnern uns daran, wie Gott immer wieder Menschen aus ihren bekümmernden Situationen gerettet hat.
  • Das Gebet des Tages fasst alle Gebetsanliegen zusammen und stimmt uns ein auf das Thema des Sonntags.

2. Verkündigung und Bekenntnis

Im zweiten Abschnitt des Gottesdienstes erfahren wir Genaueres über Gottes Taten.

  • Lesungen aus dem Alten Testament, aus den Briefen des Neuen Testaments (Episteln) und aus den Evangelien sowie das Wochenlied zwischen den Lesungen widmen sich dem Thema des Sonntags. Sie erzählen, was Menschen mit Gott erlebt haben.
  • Die Predigt erläutert die Lesungen und macht deutlich, was die alten Texte für unser Leben heute bedeuten.
  • Nach der Predigt sprechen oder singen wir das Glaubensbekenntnis. Mit diesen Worten haben Christen und Christinnen in den ersten Jahrhunderten nach Christus das Wesentliche unseres Glaubens zusammengefasst.
  • Es folgen das Dankopfer und die Abkündigungen. Seit frühester Zeit haben die christlichen Gemeinden in ihren Gottesdiensten für Hilfsbedürftige Geld gesammelt.
  • In den Abkündigungen wird eingeladen zu Veranstaltungen der Gemeinde, vor allem aber werden Freude und Leid in der Gemeinde geteilt.
  • Es folgt das Fürbittengebet, mit dem die aktuellen allgemeinen Anliegen der Gemeinde vor Gott gebracht werden. Alle Bitten münden in das Vaterunser. Mit seinen sieben Bitten enthält es im Grunde alles, was wir brauchen.

3. Abendmahl

Wird im Gottesdienst das Abendmahl gefeiert, so wird das Vaterunser erst später, sozusagen als Tischgebet, gesprochen. Das Abendmahl ist Feier unserer Gemeinschaft und geheimnisvolle Verbindung Gottes mit uns. Wir feiern es so, wie Jesus es uns am Abend vor seinem Tod gesagt hat.

4. Sendung und Segnung

Der letzte Teil des Gottesdienstes begleitet unseren Weg zurück in den Alltag. Im Sendungswort werden wir beauftragt, das, was wir erlebt haben, weiterzusagen und Gottes Liebe in die Welt und in den Alltag zu tragen.

Damit wir das tun können, bekommen wir zur Stärkung den Segen zugesprochen. Schon in alttestamentlicher Zeit haben Menschen einander die Hände aufgelegt. Die erhobenen Hände des Liturgen oder der Liturgin erinnern daran. Mit den Segensworten wird uns zugesprochen, dass Gottes Angesicht über uns leuchten wird. Vielen ist der Segen auch deshalb so wichtig, weil er an früheste Lebenserfahrungen anknüpft: Der Segen ist wie ein freundliches Gesicht, das sich über die Wiege beugt.

 

Der Gottesdienst ist wie ein besonderes Fest

Ein Gottesdienst ist vergleichbar mit dem Besuch eines besonderen Fests. Er gliedert sich, ebenso wie das Fest, in vier Abschnitte:

  • Wenn Sie ankommen, werden Sie im Flur willkommen geheißen. Man hilft Ihnen aus dem Mantel: Sie erzählen, was gerade war, vielleicht von ihrem Weg oder von ihrem Kind, das nicht einschlafen wollte (1. Abschnitt).
  • Dann werden Sie hereingebeten in den Festsaal, man plaudert über den Anlass des Festes, eine Rede wird gehalten (2. Abschnitt).
  • Sie essen gemeinsam (3. Abschnitt).
  • Am Ende des Abends stehen Sie wieder einen Moment im Flur und man gibt Ihnen gute Wünsche mit auf den Heimweg (4. Abschnitt).

Diese Ordnung ist veränderbar

Die Ordnung des Gottesdienstes, wie sie links vorgestellt wird, ist veränderbar. An vielen Stellen können einzelne Elemente umgestellt oder ausgeschmückt oder im Einzelfall auch weggelassen werden.

Näheres dazu erfahren Sie im Evangelischen Gottesdienstbuch. Dort sind alle Varianten ausführlich dargestellt.