Wissenstransfer

Von den Vorgängern profitieren

Jeder Wechsel in einer Dienststelle oder in einem Gremium bietet die Chance zum Neuanfang. Doch niemand, der in der Kirche mitarbeitet, beginnt an einem Nullpunkt.

Wer neu eine Aufgabe oder Position übernimmt, sieht sich mit vielen Erfahrungen und Erwartungen, Gewohnheiten und geregelten Arbeitsabläufen konfrontiert. In der Regel kann man vom Wissen der Vorgänger profitieren. Was sich für die neuen Mitarbeitenden als nützlich erweist, bedeutet für die Vorgänger zugleich eine Wertschätzung ihrer Arbeit.

Organisierter Wissenstransfer

Seit einigen Jahren ist Wissenstransfer ein wichtiges Thema im Profit- wie im Non-Profit-Bereich. Wird bei personellem Wechsel der Wissenstransfer nicht sicher gestellt, drohen Kompetenzverluste.

In kirchlichen Berufsgruppen und in Gremien, die überwiegend ehrenamtlich geprägt sind, geschieht der Wissenstransfer bisher bestenfalls zufällig. Besonders schnell versickert implizites Wissen. Selbst wenn es Kontakte zwischen den „Alten“ und den „Neuen“ gibt, ist keineswegs sichergestellt, dass alle Wissensfelder im Blick sind.

Explizites – Implizites Wissen

Explizites (dargelegtes) Wissen ist beschreibbar, offen zu kommunizieren und häufig als Datenmaterial vorhanden. Hierzu gehören in Kirchengemeinden beispielsweise

  • Namenslisten wichtiger Personen,
  • Kirchenvorstandsprotokolle und beschlüsse,
  • Gottesdienst- und Konfirmandenordnungen.

Implizites (unausgesprochenes) Wissen ist häufig Erfahrungswissen.

  • „Was sind die Besonderheiten dieser Gemeinde?“
  • „Wo gibt es problematische Beziehungen?“
  • „Welche Traditionen oder Eigenheiten müssen berücksichtigt werden?“

Implizites Wissen wird in der Regel nicht über Akten oder Schriftstücke weitergegeben, sondern bestenfalls durch Gespräche.

Grafik: HkD

Die Unterscheidung von explizitem und implizitem Wissen lässt sich mit dem Bild eines Eisbergs beschreiben: Der sichtbare Teil des Eisbergs ist das explizite Wissen. Hier geht es um Regeln, Vorschriften, Verfahrensabläufe etc.

Der Teil des Eisbergs, der unter der Wasseroberfläche liegt, beschreibt das implizite Wissen. Gerade hier liegen Wissensschätze, die weiterzugeben sind: die Organisationskultur, ungeschriebene Regeln, Tabus, persönliche Vorlieben und Eigenarten, Einschätzung von Mitarbeitenden usw.

Weitergabe von Kultur

Nach evangelischem Verständnis wird die Kultur einer Gemeinde nicht ungebrochen in die nächste Generation weitergegeben. Sie muss sich vielmehr unter dem Anspruch des Evangeliums und den Herausforderungen der Situation jeweils neu bilden. Deshalb sollte Bewährtes nicht als normatives Korsett weiter gegeben werden, sondern so, dass es zur Gestaltung der Gegenwart beiträgt.

Grundbedingung für einen gelingenden Wissenstransfer ist das Einverständnis, dass alle am Prozess Beteiligten Gutes bewahren und Gutes erreichen wollen.

Voraussetzungen für die Weitergabe von Wissen

  •  Der/die Vorgänger/in ist bereit zur Wissensweitergabe.
  • Der/die Nachfolger/in nimmt seine/ihre „Holpflicht“ wahr.
  • Die „Gewährleister“ (Dienstvorgesetzte oder Sachkundige wie z.B. Superintendent/in, Kirchenvorstand, Pfarramtssekretär/in) begleiten den Prozess konstruktiv.
  • Die nötigen schriftlichen Unterlagen stehen zum Selbststudium
    zur Verfügung.

Auf diese Weise können die beteiligten Personen eine partnerschaftliche
Kultur des Miteinanders entwickeln.

 

www. Wissen – Würdigen – Weitergeben

Unter diesem Titel hat das Haus kirchlicher Dienste (HkD) eine "Arbeitshilfe für Wissenstransfer in der Kirche" erstellt. Sie können sie hier herunterladen oder im HkD kostenlos bestellen unter folgender Adresse:
aeg@kirchliche-dienste.de

Downloads

Wissenweitergabe für Kirchenkreistage (besonders KKT-Vorstände) mit zwei Muster-Geschäftsordnungen

Sorgfalt ist geboten!

Wissen ist Macht! Dieser Satz stimmt auch in kirchlichen Bezügen. Alle
am Wissenstransfer Beteiligten sollten sich darüber im Klaren sein. Es gibt
vielerlei Gründe, die den Prozess der Übergabe zum Scheitern bringen
können. Deshalb sollten alle beteiligten Personen und Gremien sich ihrer
jeweiligen Verantwortung für das Gelingen bewusst sein.

Folgende Faustregeln sind zu beachten:

  • Termine einhalten
  • für Gespräche zur Verfügung stehen
  • Vertraulichkeit wahren
  • Schriftstücke und Informationen aktuell bereithalten
  • zielgerichtet und vertrauensvoll miteinander reden.