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Bild: Ulrich Ahrensmeier

„Die Kirche ist doch reich“, hört man immer wieder. Die Kirche war tatsächlich wohlhabend, aber seit etwa zwei Jahrzehnten werden von Jahr zu Jahr die Mittel knapper, und diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen.

Alle Mittel, über die die Kirche verfügt, sind ihr treuhänderisch von Menschen überlassen worden, die darauf vertrauen, dass sie ordnungsgemäß verwendet werden. Schon immer galt im kirchlichen Recht der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit (§ 56 Abs. 2+3 KGO).

Dieser gewinnt aber an Bedeutung, weil Kirchenvorstände intensiver zu prüfen haben, ob eine Ausgabe wirklich notwendig ist oder ob nicht mit geringerem Mitteleinsatz ein ähnlich gutes Ergebnis erzielt werden kann.

Budgetrecht und Grundzuweisung

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Foto: Stephanie Hofschläger / pixelio.de

Der Kirchenvorstand hat das Budgetrecht für die Gemeinde. Zur Erfüllung ihres unabweisbaren Finanzbedarfs weist der Kirchenkreis der Kirchengemeinde Kirchensteuermittel zu (Grundzuweisung).

Der Kirchenkreis erhält wiederum im Rahmen des Finanzausgleichs ‚seinen‘ Kirchensteueranteil von der Landeskirche.

Für die Kirchenkreise haben die Kirchenkreistage das Budgetrecht und ordnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Finanzströme auf der Ebene des Kirchenkreises.

Ergänzungszuweisungen und Einzelzuweisungen

Auf Antrag erhalten Kirchengemeinden über die Grundzuweisung hinaus Ergänzungszuweisungen, sofern die Zuweisungsrichtlinien des Kirchenkreises dies vorsehen.

Für besondere Projekte (Substanzerhaltung an Sakralgebäuden, Orgelmaßnahmen, Restaurierung von Kunstgegenständen und Ähnliches) kann das Landeskirchenamt Einzelzuweisungen gewähren. In besonderen Fällen (zum Beispiel bei besonderen Belastungen) sind auch Sonderzuweisungen möglich.

Zuweisungsmittel werden bald nicht mehr ausreichen

Künftig werden die Zuweisungsmittel nach bestimmten Kriterien budgetiert. Dann können die Kirchenvorstände selbst die Prioritäten ihrer Arbeit setzen. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers pauschaliert und budgetiert inzwischen fast alle Zuweisungsmittel.

Die Zuweisungsmittel für die Kirchengemeinden werden in naher Zukunft nicht mehr ausreichen, um die unabweisbaren Kosten zu decken. Daher kommt dem Bereich des Fundraising besondere Bedeutung zu.

Haushaltsbewirtschaftung

Das seit jeher geltende kamerale Haushaltsrecht wird in den kommenden Jahren sukzessive durch das Neue Kirchliche Rechnungswesen (NKR) ersetzt; in einigen Kirchenkreisen ist das NKR bereits flächendeckend eingeführt.

Haushaltsplanung
Durch seine Haushaltsplanung legt der Kirchenvorstand seine Einnahme- und Ausgabepolitik fest. Es ist Aufgabe des Kirchenvorstands, dafür zu sorgen, dass stets genügend Haushaltsmittel zur Verfügung stehen, um die geplanten Ausgaben leisten zu können.

Wenn Mehrausgaben geplant sind, muss er zusätzliche Mittel akquirieren und bereitstellen oder an anderer Stelle Einsparungen vornehmen. Bei Spenden ist der Spendenzweck strikt einzuhalten („Der Spenderwille
ist heilig“).

Haushaltsreste
Stehen am Ende des Jahres noch unverbrauchte Mittel (Haushaltsreste) zur Verfügung, können diese ins nächste, maximal übernächste Haushaltsjahr übertragen werden.

Reichen die Mittel nicht zur Deckung der Ausgaben, können im Vorgriff Mittel des nächsten, maximal über nächsten Haushaltsjahrs verausgabt werden. Solche Haushaltsvorgriffe belasten aber als Ausgabe das kommende Haushaltsjahr.

Jahresrechnung / Jahresabschluss

Der Kirchenvorstand stellt durch Beschluss das Rechnungsergebnis, die zu übertragenden Haushaltsreste und die Haushaltsvorgriffe fest (künftig: das Ergebnis der Gewinnund Verlustrechnung und die Bilanz).

Die gesamte Jahresrechnung mit den hierfür notwendigen Unterlagen wird den Kirchenvorständen vom Kirchen(kreis)amt zur Verfügung gestellt.

Die Rechnungsprüfung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers wacht über die Einhaltung der Rechtsvorschriften und den wirtschaftlichen und sparsamen Einsatz der Mittel.

Vermögensverwaltung

Kirchengemeinden verfügen zumeist über Grundbesitz, Gebäudebestände, Inventar und Geldvermögen. Sämtliche Bestandteile dieses Vermögens sind zu bewerten und nachzuweisen.

Das Vermögen in seiner Gesamtheit dient der Finanzierung der kirchlichen Arbeit. So tragen zum Beispiel Pachteinnahmen aus Grundstücken der Dotation Pfarre zur Pfarrbesoldung bei, Mieteinnahmen helfen Kirchengemeinden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben.

Das Geldvermögen der Kirchengemeinden (Rücklagen und Rückstellungen) hilft Engpässe zu überbrücken und sichert Gemeinden dauerhaft finanziell ab. Jede Kirchengemeinde hat eine allgemeine Ausgleichsrücklage zur Absicherung von Risiken vorzuhalten.

Text: Carsten Wydora, Leiter im Kirchenamt Leer

Kirchen(kreis)amt

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