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Bild: Ulrich Ahrensmeier

Lastenausgleich innerhalb der Gemeinde

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Schon immer wurden im Gottesdienst Kollekten eingesammelt.

Seit den Tagen der ersten Christen gehört in der christlichen Gemeinde beides zusammen: das gemeinsame Beten, Hören und Singen und das gemeinsame Tragen von Lasten.

Kollekten erfüllen von jeher einen doppelten Zweck: Sie sind Hilfe für andere Gemeinden und sie dienen dem Lastenausgleich innerhalb der Gemeinde, also den eigenen Armen und Hilfsbedürftigen.

Hilfe für Nah und Fern

Seit dem 20. Jahrhundert werden mit Kollekten auch gesamtkirchliche Aufgaben unterstützt, insbesondere solche, die die Möglichkeiten der einzelnen Gemeinde übersteigen. Weil Christen aus der in Christus erfahrbaren Güte Gottes leben, stehen sie für Bedürftige in der Nähe und in der Ferne ein.

Zwei Arten von Kollekten

In unserer Landeskirche gibt es unterschiedliche Kollekten. An Sonn- und Feiertagen werden im sogenannten Hauptgottesdienst die gottesdienstliche Kollekte und die Diakoniekollekte eingesammelt. Den Gemeinden steht frei, für bestimmte Projekte auch eine dritte Kollekte einzusammeln.

Dien gottesdienstliche Kollekte

Der Zweck der gottesdienstlichen Kollekte ist im landeskirchlichen Kollektenplan festgelegt, der zu Beginn des Kirchenjahres aufgestellt und den Gemeinden mitgeteilt wird.

Nach dem Kollektenplan und der Festlegung der frei bestimmbaren Kollekten durch Pfarramt und Kirchenvorstand ist die gottesdienstliche Kollekte abzukündigen und von den Mitgliedern des Kirchenvorstandes oder Beauftragten mit dem Klingelbeutel oder am Ausgang einzusammeln.

Gottesdienstkollekten sind für landeskirchliche Zwecke oder für Aufgaben im Sprengel, Kirchenkreis oder in der Gemeinde bestimmt. Auch gesamtkirchliche Zwecke wie beispielsweise für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) oder die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) sind möglich.

Über eine ganze Reihe der Kollekten können die Gemeinden selbst entscheiden. Dabei sollte im Blick sein, dass die Kollekte nicht in erster Linie zur Finanzierung der eigenen Gemeinde gedacht ist, sondern als geschwisterliche Unterstützung für andere. Kollekten für konkrete Projekte sind sehr viel plausibler als solche für „anonyme“ Institutionen.

Diakoniekollekte (früher: Diakoniegabe oder Armenopfer)

In jedem Hauptgottesdienst wird auch eine Kollekte für diakonische Zwecke eingesammelt. Diese liegen primär in der eigenen Gemeinde, können aber auch im Kirchenkreis oder darüber hinaus angesiedelt sein. Auf die Diakoniekollekte im Hauptgottesdienst darf auf keinen Fall verzichtet werden.

Weitere Kollekten

Gemeinden steht frei, für bestimmte Projekte auch eine dritte Kollekte einzusammeln, in der Regel am Ausgang der Kirche. Dabei können auch Kollektenbüchsen verwendet werden.

Zwecke in den Abkündigungen klar benennen

Die Abkündigungen oder eine deutliche Beschriftung sollen den Zweck jeder Kollekte klar benennen. Grundsätzlich sind alle gottesdienstlichen Kollekten für kirchliche oder diakonische Einrichtungen und Zwecke bestimmt, beispielsweise auch für die Partnergemeinde.

Nach der Predigt

Der agendarisch richtige Zeitpunkt für die Kollekte liegt im Anschluss an die Predigt. Vor der Predigt verläuft der Gottesdienst im Sinne einer Konzentrationsbewegung, bei der eine Geldsammlung nur stört.

Nach der Predigt sollte aber unser Blick für den Zusammenhang von Gottesdienst, Gemeindeleben und Weltverantwortung erneut geöffnet sein.

Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher zählen zu zweit

Die Kirchenvorsteher oder Kirchenvorsteherinnen zählen nach dem Gottesdienst die Kollektengelder. Einer jahrhundertealten Vorschrift folgend sollten sie mindestens zu zweit sein, um Versuchungen und Verdächtigungen zu vermeiden.

Das Ergebnis der Kollekten wird der Gemeinde am folgenden Sonntag mitgeteilt und es wird dafür Dank ausgesprochen.

Text: Henning Schlüse, Diakon und Referent für Gemeindeleitung im Haus kirchlicher Dienste Hannover

Was bedeutet eigentlich "Kollekte"?

Das Wort Kollekte kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "das Eingesammelte" (colligere = zusammensammeln). Das Geld, das während oder am Ende des Gottesdienstes eingesammelt wird, nennt man daher Kollekte.

Kollekten werden schon im Neuen Testament erwähnt. Paulus ruft die Gemeinde in Korinth dazu auf, Geld für die Christen in Jerusalem zu sammeln. Er bekräftigt seine Bitte durch eine längere Predigt zum Sinn des Spendens, denn "...einen fröhlichen Geber hat Gott lieb". (2. Kor 8-9)

Klingelbeutel

Vor der Reformation wurden die Gaben der Gemeindeglieder während des Gottesdienstes mit Hilfe eines Sackes eingesammelt. Johannes Bugenhagen, ein Mitarbeiter Luthers, hat durch die Braunschweiger Kirchenordnung den Klingelbeutel als ständige Einrichtung bei jedem Gottesdienst eingeführt.

Dieser muss nicht unbedingt aus schwarzem Tuch gefertigt sein. Oben kann er offen, er kann aber auch geschlossen und mit einem kleinen Schlitz versehen sein. Mancherorts wird heute der Klingelbeutel durch einen Korb ersetzt, der durch die Reihen gegeben wird.

Text: Henning Schlüse, Diakon und Referent für Gemeindeleitung im Haus kirchlicher Dienste Hannover

Woher kommt der Name "Klingelbeutel"?

Ein traditioneller Klingelbeutel besteht aus einem Beutel, der an einer langen Stange befestigt ist. Unten am Beutel sind oft Glöckchen befestigt, so es klingelt, wenn die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher mit dem Klingelbeutel durch die Reihen gehen.