Grafik: Gerke/Ruge/HkD

Gemeindeleitung

Kirchenvorstand und Pfarramt als Leitungsorgane der Kirchengemeinde

Grafik: Gerke/Ruge/HkD

Die Kirchengemeindeordnung (KGO) beschreibt die Aufgaben der Gemeindeleitung (§ 3) und bestimmt, dass der Kirchenvorstand und das Pfarramt diese Aufgaben erfüllen (§ 52 Abs. 1 KGO) und damit für das Gelingen des gemeindlichen Lebens Sorge zu tragen haben.

Kirchenvorstand und Pfarramt sind Leitungsorgane der Kirchengemeinde. Mit ihren je verschiedenen Leitungsaufgaben stehen sich Kirchenvorstand und Pfarramt gegenüber als „Spiegelbild des Gegenübers von Gemeinde und Amt der öffentlichen Wortverkündigung“ als lutherisches Verfassungsprinzip, wie es im Entwurf zur Kirchenverfassung (ASt. 25 B zu Artikel 20) heißt. Bei der Erfüllung ihrer unterschiedlichen Aufgaben handeln sie in unaufhebbarer Einheit zugleich geistlich und rechtlich.

Verantwortung des Kirchenvorstands

Die Kirchengemeindeordnung sieht die Verantwortung des Kirchenvorstands in den folgenden Bereichen:

  • Grundsätzliche Verantwortung für die Verwaltung des gesamten Vermögens der Kirchengemeinde
  • Beschluss des Haushaltsplans
  • Aufgaben des Personalwesens für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde und alle damit verbundenen Arbeitgeberfunktionen
  • Berufung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für bestimmte Arbeitsgebiete
  • Bereitstellung von Räumen und Mitteln für die Gemeindearbeit
  • Förderung bestehender kirchlicher Gemeinschaften sowie Anregung zur Bildung neuer Formen der Gemeinschaft

Pfarramt

Das Pfarramt nimmt gemäß Kirchengemeindeordnung die öffentliche Verkündigung und die Sakramentsverwaltung insbesondere in Gottesdiensten und bei Amtshandlungen in der Kirchengemeinde wahr.

Beispiele

Zwei Beispiele zeigen Aufgabenfelder, die von Kirchenvorstand und Pfarramt gemeinsam verantwortet werden:

Konfirmandenarbeit
„Der Kirchenvorstand und das Pfarramt haben die Gesamtverantwortung für die Konfirmandenarbeit. Sie legen im Einvernehmen Dauer, Terminierung und Form fest.“ (§ 3 Abs. 1 Konfirmandenarbeitsgesetz).

Im Benehmen mit dem Pfarramt wählt der Kirchenvorstand die zu Unterrichtenden aus, regelt deren Einsatz und die Vertretung (§ 9 Abs. 1 Konfirmandenarbeitsgesetz).

Regelungen zum Gottesdienst
Über die Zeiten, Einführung, Verlegung und Abschaffung von Gottesdiensten und über Gottesdienstordnungen beschließt der Kirchenvorstand einvernehmlich mit dem Pfarramt (§ 52 Abs. 4 KGO).

Die gemeinsame Verantwortung für die Gemeindeleitung gelingt ambesten, wenn sich Kirchenvorstandund Pfarramt ihrer Aufgabenfelder bewusst sind und im ständigen Austausch miteinander stehen. Abgesehen von rechtlichen Zuständigkeitszuordnungen gibt es ein breites Feld gemeinsamer Aktivitäten, Projekte und sonstigen Zusammenwirkens im Gemeindealltag.

Wichtige Bereiche der Gemeinde wie Jugendarbeit, Altenarbeit, Kirchenmusik, Gemeindefeste und Jubiläen, Besuchsdienste und die Koordinierung von Gemeindegruppen sind Aufgaben, die Kirchenvorstand und Pfarramt zu bedenken, zu planen und durchzuführen haben.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit

Die Dienste des Pfarramtes und des Kirchenvorstandes lassen sich rechtlich unterschiedlich beschreiben und stellen sich im Gemeindeleben unterschiedlich dar. Für die Gemeindearbeit kommt es sehr darauf an, dass Kirchenvorstand und Pfarramt konstruktiv und vertrauensvoll zusammenwirken.

Text: Karsten Sander, Oberkirchenrat, Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Kirche Hannovers