Grafik: Gerke/Ruge/HkD

Das Landeskirchenamt

Mehrere kirchlichenleitende Organe

Grafik: Gerke/Ruge/HkD

Anders als in vielen anderen Landeskirchen steht im Strukturaufbau der Landeskirche Hannovers traditionell keine oberste „Kirchenregierung“ oder „Kirchenleitung“ an der Spitze.

Vielmehr teilen sich mehrere „kirchenleitende Organe“ die synodalen, episkopalen (=bischöflichen) und konsistorialen Leitungsaufgaben der Landeskirche.

Damit sind alle kirchenleitenden Organe in besonderem Maße dem Konsensprinzip verpflichtet und wirken arbeitsteilig und in gemeinsamer Verantwortung zusammen.

Sechs kirchenleitende Organe

Die synodalen Aufgaben, insbesondere die Gesetzgebung und das Haushaltsrecht, werden von der Landessynode und ihrem Landessynodalausschuss wahrgenommen.

Der Landessynodalausschuss nimmt Aufgaben der Landessynode in der Zeit zwischen ihren Tagungen wahr und ist an deren Weisungen gebunden.

Den bischöflichen Dienst versehen die Landesbischöfin bzw. der Landesbischof und der Bischofsrat unter ihren bzw. seinem Vorsitz. Dieser verbindet die sechs Regionalbischöfinnen und Regionalbischöfe aus den Sprengeln zur gemeinsamen Beratung.

Das Landeskirchenamt, das bis zur ersten Kirchenverfassung im Jahre 1922 den Namen „Landeskonsistorium“ trug, ist mit der Geschäftsführung und Verwaltung der Landeskirche beauftragt (Art. 92 der geltenden Kirchenverfassung).


Der Personalausschuss beschließt über wichtige Personalangelegenheiten der Landeskirche. Ihm gehören neben der Landesbischöfin bzw. dem Landesbischof (Vorsitz) die Präsidentin oder der Präsident der Landessynode, die oder der Vorsitzende des Landessynodalausschusses, eine Regionalbischöfin oder ein Regionalbischof, ein von den Mitgliedern des Landeskirchenamtes aus deren Mitte gewähltes ordiniertes Mitglied, sowie fünf von der Landessynode aus deren Mitte gewählte Mitglieder, darunter höchstens ein ordiniertes Mitglied, an.

Doppelfunktion: oberste Verwaltungsbehörde und kirchenleitendes Organ

Die Doppelfunktion als oberste Verwaltungsbehörde und kirchenleitendes Organ wird auch dadurch erkennbar, dass das Landeskirchenamt neben der eigenverantwortlichen Verwaltung der „inneren und äußeren Angelegenheiten der Landeskirche“ auch strategische, gestaltende und konzeptionelle Aufgaben übernimmt.

Rechts-, Bau-, Finanz-, Organisations- und Personalangelegenheiten

Zudem hat das Landeskirchenamt eine Auffangzuständigkeit für alle Sachverhalte, die nicht ausdrücklich einem der anderen Organe der Kirchenleitung zugewiesen sind. Zu den klassischen Verwaltungsaufgaben gehören beispielsweise die Rechts-, Bau-, Finanz-, Organisations- und Personalangelegenheiten.

In seiner Eigenschaft als oberste Verwaltungsbehörde nimmt es die Aufsicht über die Kirchengemeinden und Kirchenkreise sowie über Inhaberinnen und Inhaber kirchlicher Ämter wahr.

Acht Abteilungen mit Fachreferaten

Im Jahre 2010 gab sich das Landeskirchenamt eine neue Geschäftsordnung, die mit einer umfassenden Veränderung seiner inneren Struktur verbunden war. Seitdem ist das Landeskirchenamt in acht Abteilungen mit jeweils zugeordneten Fachreferaten gegliedert.

Die vier theologischen und vier juristischen Abteilungsleitungen einschließlich der Präsidentin bzw. des Präsidenten und der beiden Vizepräsidenten sind zugleich Mitglieder des Kollegiums, das unter dem Vorsitz der Landesbischöfin bzw. des Landesbischofs die wichtigen Entscheidungen des Landeskirchenamts nach den Grundsätzen der Gemeinsamkeit und Verständigung trifft. Dies macht deutlich, dass nach evangelischem Verständnis eine jede Kirchenleitung den rechtlichen und geistlichen Dienst in unaufgebbarer Einheit miteinander verbindet.

Wesentliche Aufgaben des Landeskirchenamts

Die neue Aufgabenbeschreibung der Geschäftsordnung hat weitgehend Eingang in den aktuellen Entwurf für die Revision der Kirchenverfassung gefunden.

Hiernach gehören zu den wesentlichen Aufgaben des Landeskirchenamts neben den vorgenannten klassischen Verwaltungsaufgaben namentlich

  • die Verantwortung für die Entwicklung des Rechts,
  • für die Organisation und die verlässliche und transparente Finanzwirtschaft der Landeskirche sowie
  • die Klärung theologischer Grundsatzfragen,
  • die Gestaltung der Theologenausbildung,
  • Gottesdienst,
  • Kirchenmusik,
  • Konfirmandenarbeit,
  • Religionsunterricht,
  • Diakonie,
  • Mission,
  • die Pflege zu anderen Kirchen und
  • die Verbindung zur VELKD und EKD.

Vertretung nach außen

Das Landeskirchenamt vertritt die Landeskirche nach außen

  • in Rechts- und Verwaltungssachen und
  • ist im Rahmen des kirchlichen Öffentlichkeitsauftrages in die Kommunikation mit Akteuren in Staat, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft eingebunden.

Dies dient dazu, die Anliegen der Kirche zu vermitteln, Anregungen für das kirchliche Leben zu gewinnen und Möglichkeiten der Vernetzung und Zusammenarbeit für die Erfüllung des kirchlichen Auftrags zu suchen.

Diese Aufgaben werden in einer zunehmend pluralen und mit kirchlichen und religiösen Dingen immer weniger vertrauten Welt immer bedeutender.

Beratung und Unterstützung von Kirchengemeinden

Die Beratung der Kirchengemeinden, Kirchenkreise und ihrer Einrichtungen durch das Landeskirchenamt ist insbesondere in den Bereichen wichtig, in denen sich die Landeskirche an die Bedingungen des demographischen, gesellschaftlichen und kulturellen Wandels anpassen und ihre Strukturen verändern muss.

Dies betrifft neben Themen wie

  • Gebäude- und Umweltmanagement,
  • Finanzwirtschaft,
  • IT oder
  • Fundraising

vor allem auch die Unterstützung und Schaffung von Voraussetzungen für die Erprobung vielfältiger neuer Ausdrucksformen kirchlichen Lebens

  • in den Kirchengemeinden,
  • in sozialdiakonischen Einrichtungen,
  • an Pilger-,
  • Urlaubs- oder an anderen geistlich profilierten Orten.

Auch die

  • Anpassung der Aus- und Weiterbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern und aller anderen Berufsgruppen in der Kirche an die Bedürfnisse der Zeit,
  • die Wahrnehmung des Bildungsauftrages in Schulen und anderen Einrichtungen,
  • die Fortentwicklung der Jugendarbeit sowie
  • die Stärkung des diakonischen Profils der Kirche

gehören zu den aktuellen Herausforderungen.

Text: Dr. Stephanie Springer, Präsidentin des Landeskirchenamts der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers