Zurück ins Scheinwerferlicht – Ehrenamt ist mehr als Zugucken!

Nachricht 30. November 2020
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Im Rahmen des EKD Zukunftsforums fand am 26. November ein virtueller Workshop mit dem Titel „Zurück ins Scheinwerferlicht – Ehrenamt ist mehr als Zugucken!“ statt. Geleitet wurde er von Susanne Briese, Landespastorin für Ehrenamtliche in der Evangelisch-lutherischen Landerskirche Hannovers und Dr. Ralph Fischer vom Arbeitsfeld Gemeindeentwicklung und Missionarische Dienste im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Kurhessen Waldeck (EKKW).

Der Titel sagt es schon aus: Das Engagement ehrenamtlich Aktiver war in der Zeit der Corona-Pandemie für die Öffentlichkeit wenig – manchmal gar nicht – sichtbar. Der Fokus richtete sich insbesondere zu Beginn der Krise auf das Pfarramt. „Hinzu trat, dass die Gruppen und Kreise, die sozialen und kulturellen Angebote der Kirchengemeinden während des ersten Lockdowns nicht stattfinden durften, und aktuell ist deren Durchführung durch Hygiene- und Distanzvorgaben sowie die Sorge vor  Ansteckung massiv erschwert oder sogar unmöglich,“ erinnerte Fischer in seinem Einführungsreferat.

Nur 40% der Menschen über 65 nutzen Online-Angebote

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Internet-Affinität Ehrenamtlicher: „Während es in der Jugendarbeit weitgehend gut gelungen scheint, den Digital Natives in ihrer ‚zweiten Heimat‘ attraktive Angebote zu machen, ist die Mediatisierung des kirchlichen Lebens in anderen Altersgruppen und Handlungsfeldern in einem nicht unerheblichen Maß misslungen. Dafür ist unter anderem ursächlich, dass nur jeder Zweite Über-65-Jährige ‚online‘ ist, und von diesen ‚65-Plus-Onlinern‘ nutzen nur 40% die Möglichkeit der Videotelefonie und nur 34% soziale Netzwerke. Generationen überschreitend kommt hinzu, dass für immerhin 34% der Bevölkerung hohe Anschaffungskosten eine Hürde für die Nutzung digitaler Technik darstellt“, führte der Sozialwissenschaftler und Diakon aus.

Ehrenamtliche leisteten einen unersetzlichen Beitrag für kirchliche Sozialisation, christliche Identitätsausbildung, Solidaritätsstiftung und religiöse Bildung sowie für den Transfer christlicher Grundüberzeugungen und Werte in den Raum der Gesellschaft. Es sei jetzt umso wichtiger, gemeinsam darüber nachzudenken, was morgen das kirchliche Ehrenamt sein soll, fasste der Referent zusammen.

Sichtbarkeit des Ehrenamts fördern

Im gemeinsamen Austausch und in vertiefender Kleingruppenarbeit entwickelten die Workshop-Gäste eine eigene Perspektive für ihre Arbeit mit Ehrenamtlichen vor Ort.

Die Reaktionen der Teilnehmenden aus fünf Landeskirchen waren durchweg positiv: „Für mich waren sowohl der Impuls als auch der Austausch sehr wertvoll. Vielen herzlichen Dank“, fasst ein Vikar aus der Pfalz zusammen. „Der Austausch über Landeskirchengrenzen hinweg wäre öfter wichtig“, sagte eine Pfarrerin aus Mitteldeutschland zum Schluss, „ich gehe mit dem Schlagwort ‚Sichtbarkeit des Ehrenamtes‘ weiter – da möchte ich dran bleiben.“