Bibelkreise und Hauskreise

Hier und dort in den Häusern

Grafik: Gerke/Ruge/HkD

Die Apostelgeschichte berichtet: Die ersten Christen „blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet … sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk." (Apg 2,42 ff).

Kleine überschaubare Gruppen

Aus diesem Grund gibt es schon lange Hauskreise, also kleine überschaubare Gruppen von Christen oder am christlichen Glauben Interessierter. Zwischen vier und vierzehn Personen, je nachdem wie viele in ein Wohnzimmer passen, treffen sich regelmäßig und verbindlich, um sich über biblische Texte, persönliche Erfahrungen und ihren Glauben auszutauschen.

Dietrich Bonhoeffer nannte solche Treffen „das Zeugnis im Mund des Bruders“. Das Gebet füreinander und die gegenseitige Unterstützung im Alltag gehören dazu.
 

Gesprächsgruppen entstehen aus verschiedenen Anlässen

Oft entstehen solche Gesprächsgruppen nach Kursen zu Grundfragen des Glaubens, die in den Kirchenkreisen und Gemeinden durchgeführt werden. Die treffen sich im Gemeindehaus oder im Wohnzimmer einer Seminarteilnehmerin oder eines Gruppenmitglieds, manchmal sogar auch in der Pizzeria am Ort. Meist werden die Themen des Seminars noch einmal nachgearbeitet oder man liest gemeinsam biblische Texte.

Manchmal entstehen neue Kleingruppen, weil man ein gemeinsames Ziel verfolgt, eine verbindende Aufgabe vorhat. Häufig engagiert man sich als Gemeinschaft diakonisch, immer wieder setzen sich Teilnehmende für die Gesellschaft und ihre Belange ein. Dabei hat man die Menschen und Gott im Blick.

Der Einzelne bleibt wichtig

Hauskreise der alten Art und die neuen Gruppen treffen gleichermaßen die Bedürfnisse der Menschen von heute. Inmitten der Auflösung vertrauter Gemeinschaftsformen wie Familie und Volkskirche bieten Hauskreise einen freundschaftlichen Rahmen und Beheimatung an.

Sie wirken damit dem Gefühl entgegen, anonym in der Gemeinde oder Gesellschaft zu sein und übersehen zu werden. Innerhalb dieser Gemeinschaft bleibt der Einzelne wichtig; hier ist Raum für Seelsorge.

In der Fülle religiöser Angebote findet man hier in einem überschaubaren
Rahmen die Gelegenheit, sich authentisch über Fragen des Lebens auch in seinen Grenzbereichen wie Krankheit, Sterben und Tod auszutauschen. Darum sind sie auch für Menschen außerhalb der klassischen
Gemeinde attraktiv.

So sind Hauskreise ein Ort, an dem Beziehungen zu Gott begonnen, erneuert und vertieft werden.

Text: Pastor Martin Römer, Referent für Missionarische Dienste im Haus kirchlicher Dienste (HkD)