Das Wort Bildung geht auf das alte Wort „in-bildunge“ zurück, das so viel wie Einbildung im Sinne von Einprägung und Formung (der Seele) des Menschen meint. Eine mögliche biblische Begründung liegt in der Rede von der Gottebenbildlichkeit des Menschen im 1. Mose 1, V. 27.

Weil jeder Mensch Gottes Ebenbild ist, steht Bildung jedem Menschen zu. Der Einsatz für Bildungsgerechtigkeit und Inklusion ist für das evangelische Bildungshandeln heute unverzichtbar. Bildung ist dabei mehr als Wissensvermittlung.

„Die evangelische Kirche versteht Bildung als Zusammenhang von Lernen, Wissen, Können, Wertebewusstsein, Haltungen (Einstellungen) und Handlungsfähigkeit im Horizont sinnstiftender Deutungen des Lebens.“*

* Maße des Menschlichen, Eine Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gütersloh 2003, S. 66.

Reformationszeit - jeder Christ sollte dien Bibel lesen können

Die große Bedeutung von Bildung in der evangelischen Kirche geht auch auf das reformatorische Glaubensverständnis zurück. Martin Luther und andere Reformatoren wollten, dass jeder Christ und jede Christin in der Lage ist, den Glauben zu verstehen und im Glauben sprachfähig zu sein.

Dazu sollten Christinnen und Christen die Bibel selbst lesen können. Familien erhielten außerdem einen „Kleinen Katechismus“, in dem die Glaubenssätze für das Leben und den Alltag der Christen erläutert waren.

Gesellschaftlicher Auftrag

Mit der Bildungsverantwortung nimmt die evangelische Kirche auch einen gesellschaftlichen Auftrag wahr.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ist Trägerin von sechs allgemeinbildenden evangelischen Schulen. Sie ist über den Zusammenschluss aller evangelischen Landeskirchen auf dem Gebiet Niedersachsens in der sogenannten Konföderation Ev. Kirchen in Niedersachsen Trägerin einer  Erwachsenenbildungseinrichtung.

Im Bereich von Hochschulen und Universitäten bestimmt sie die Ausbildung von angehenden Theolog*innen und Religionspädagog*innen mit.

Bildung in der Kirchengtemeinde

In Kirchengemeinden ist die Konfirmandenarbeit ein wichtiger Bildungsbereich. Wie verstehen junge Christinnen und Christen ihren Glauben und wie entwickeln sie eine durch den Glauben gebildete Beziehung zu Gott und der Welt?

Für den Kirchenvorstand ergibt sich die Aufgabe, den jungen Gemeindegliedern Wege zur Teilhabe und aktiven Mitgestaltung des Gemeindelebens zu eröffnen (Konfirmandenarbeit).

Fortbildungen für Ehrenamtliche

Eine zentrale Aufgabe der Kirchengemeinde ist die Weiterbildung von Ehrenamtlichen in den unterschiedlichen Bereichen kirchlichen Handelns, zum Beispiel die Jugendleiterausbildung oder die Weiterbildung für Mitarbeitende im Besuchsdienst.

Dazu gehört auch die eigene Fortbildung von Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern. (Fortbildung für Ehrenamtliche)

Text: Pastorin Dr. Melanie Beiner, ehemalige Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen (EEB)