Zeigen, was man liebt

„Mission heißt zeigen, was man liebt“ (Fulbert Steffensky).

Mission ist eine werbende Einladung für die Schönheit eines Lebenskonzeptes, für den Traum von Glaube, Liebe, Hoffnung. Sie lebt von Interesse und Respekt, Gesprächsfähigkeit und Gastfreundschaft. Sie hat heute also nichts mit Indoktrination oder aufdringlichem Gebaren zu tun.

Aus dem Schatz des Evangeliums leben

Grafik: Gerke/Ruge/HkD

Mission meint zunächst eine verheißungsvolle Erinnerung an das, wovon und woraus wir als Christinnen und Christen leben.

„Am Anfang aller Mission steht das Evangelium von Jesus Christus. Dieses Evangelium ist ‚der wahre Schatz der Kirche‘ (Martin Luther), den wir nie besitzen, aus dem wir als Kirche leben und den wir immer wieder neu entdecken“ – so die letzte Erklärung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Mission.

Mission als gemeinsame Schatzsuche

Der Schatz des Evangeliums gehört nicht unter die Kirchenbank versteckt – er will unter die Leute kommen, weniger durch Aktion als durch die eigene Haltung. Wir werden nicht missionarischer, indem wir „mehr“ tun, sondern indem die Kraft, aus der wir leben und glauben, in unserem Tun zum Ausdruck kommt.

Mission als gemeinsame Schatzsuche – das ist eine zentrale Aufgabe des Kirchenvorstandes. Denn dabei wird der Kirchenvorstand erfahren, was der Theologe Eberhard Jüngel so formulierte: „Eine Kirche, die ihren Schatz unter die Leute bringt, wird staunend entdecken, wie reich sie in Wahrheit ist.“

Zukunft des Glaubens als Motor für Veränderungen

Für die missionarische Praxis steht die Frage im Mittelpunkt, wie Menschen in ihrer Lebenswelt die befreiende Kraft des Evangeliums erfahren können.

Mission geht es um die Zukunft des Glaubens – nicht die Zukunft der bestehenden kirchlichen Formen und Strukturen. Weil eine missionarische Haltung nach dem Auftrag und der Sendung der Christinnen und Christen vor Ort fragt, kann sie zum Motor von Veränderung werden.

Damit kommen auch Aspekte der Gemeindeentwicklung in den Blick. Wo eine Gemeinde ihre Mission entdeckt, wächst sie über sich hinaus.

Eine Vielfalt von Wegen und Konzepten

Für die missionarische Arbeit gibt es viele Wege. Christen in Halbdistanz zu ihrer Kirche wollen anders angesprochen werden als Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind oder noch nie Berührung mit der christlichen Tradition hatten. Ebenso gilt es, für unterschiedliche Lebensstilgruppen (Milieus) geeignete Formen zu finden.

Bewährt hat sich eine Vielfalt von Wegen und Konzepten:

Alltagskontakte

  • Wo treffen wir Menschen, die nicht im Gottesdienst und bei  Gemeindeveranstaltungen auftauchen?
    Nähe fördert Ansteckung – auch beimGlauben.

Sprachfähigkeit

  • Wie finden wir zu einer Glaubenssprache, die nicht in Formeln erstarrt, sondern Interesse weckt?
    Dialog lebt von der Fähigkeit, Auskunft zu geben.

Veranstaltungen

  • Wie müssen Veranstaltungen und Orte aussehen, damit Menschen sich eingeladen fühlen und den christlichen Glauben befragen, erkunden und feiern können?
  • Wo lohnt es sich, „aus dem Häuschen“ zu geraten und Kirche an anderen Orten und in anderenFormen erlebbar zu machen?
    Glauben entsteht und wächst im Miterleben.

Engagement mit und für andere

  • Wie prägen Diakonie, Seelsorge, Beratung und sozialpolitisches Engagement die Atmosphäre im Gemeinwesen und machen Ausdrucksformen des Glaubens sichtbar?
    Wenn Glaube Hand und Fuß bekommt, wirkt er überzeugend und lädt zum Mitmachen ein.

Vernetzung

  • Wo können wir uns im Miteinander mit anderen Gemeinden und ökumenischen Geschwistern mit Gaben und Grenzen beim gemeinsamen Zeugnis ergänzen?
  • Mit welchen Kooperationen können wir gemeinsam Lebensbedingungen vor Ort verbessern?
    Glauben zieht Kreise durch Mitmachen.

Orte, wo Glauben und Leben zusammenfinden

Wer mit dieser Haltung Gottesdienste feiert, Kirchenräume verlässlich öffnet, mit örtlichen Vereinen kooperiert und gemeindliche Experimente wagt, wird feststellen, dass sich Räume der Begegnung mit Gott öffnen.

Auch die Kindertagesstätte, die Kasualien, Tauf- und Konfirmandenelternarbeit sowie eine gemeinwesenorientierte Diakonie – um nur einige Beispiele zu nennen – werden dann zu Orten, wo Glaube und Leben zusammenfinden.

Glaubenskurse

Als missionarisches Veranstaltungsformat sind besonders die unterschiedlichen Glaubenskurse hervorzuheben, die in zahlreichen Gemeinden und Regionen in der Landeskirche stattfinden.

In der Kombination mit Zweitgottesdiensten und Kleingruppenarbeit tragen sie zu einer missionarischen Gemeindeentwicklung vor Ort und in der Region bei.

Text: Pastor Philipp Elhaus, Leitender Referent für Missionarische Dienste im Haus kirchlicher Dienste