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Bild: Ulrich Ahrensmeier

Kirchenjahr

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Bild: Almut Bieber / pixelio.de

Kirchenjahr und Kalenderjahr

Kirchenjahr und Kalenderjahr unterscheiden sich voneinander. Das Kalenderjahr beginnt am 1. Januar, das Kirchenjahr hingegen am 1. Advent. Der 1. Advent wiederum fällt jedes Jahr auf ein anderes Datum.

Warum ist das so? Und was hat das Ganze mit dem Kirchenvorstand zu tun?

Verbindung von Glaubensfesten und Naturjahreszyklus

Im Kirchenjahr sind die besonderen Ereignisse unseres Glaubens mit dem Naturjahreszyklus verbunden, denn Menschen erleben intensiv den Wechsel der Jahreszeiten und des Lichts.

In der Nähe jedes Wendepunktes liegt ein besonderes Fest:

  • Weihnachten feiern wir zur Wintersonnenwende,
  • Ostern kurz nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche;
  • der Johannistag (24. Juni) liegt gleich nach der Sommersonnenwende
  • und Michaelistag und Erntedank begehen wir kurz nach der Herbst-Tagundnachtgleiche.

Das Osterdatum fällt jedes Jahr auf den Sonntag nach dem ersten Frühlings-Vollmond.

Der Weihnachtskreis

Das Kirchenjahr beginnt mit dem 1. Advent. Es ist die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft Jesu. Wir hören von der Erwartung eines neuen Königs und von Johannes dem Täufer, der die Menschen darauf vorbereitete.

  • Weihnachten feiern wir mit Jesu Geburt das Fest der Menschwerdung Gottes.
  • Nach Silvester und Neujahr folgt Epiphanias (6. Januar), auch Dreikönigstag genannt. Dieser Tag erinnert an die Ankunft der Weisen in Bethlehem, das Fest der Erscheinung. Es betont die Herrlichkeit des neuen Königs, von dem ein besonderes Licht ausgeht.
  • An den folgenden Sonntagen spielt das Licht eine besondere Rolle und entspricht damit unserer Freude über die länger werdenden Tage.

Der Osterkreis

In unserer Kultur hat der Weihnachtsfestkreis eine große Bedeutung. Unser wichtigstes Fest ist jedoch das Osterfest, das Fest der Auferstehung Jesu.

  • Der Osterfestkreis beginnt mit den Sonntagen vor der Passionszeit, der Vorfastenzeit.
    Aschermittwoch nach Karneval ist der Auftakt der 40-tägigen Passionszeit, in der wir in besonderer Weise an den Leidensweg von Jesus denken. Früher war dies eine Zeit der Vorbereitung auf die Taufe in der Osternacht. Noch heute ist es Brauch, in dieser Zeit zu fasten. Die Stimmung ist jetzt ernster, fröhliche Gesänge entfallen.
  • Höhepunkt der Passionszeit ist die Karwoche. An jedem Tag wird an ein besonderes Ereignis der letzten Tage mit Jesus gedacht:
    Einzug in Jerusalem (Palmsonntag),
    letztes Abendmahl (Gründonnerstag; von gronan – weinen),
    Kreuzigung (Karfreitag; von kara – Klage).
  • Am Ostersonntag feiern wir die Auferstehung und es beginnt die österliche Freudenzeit.
    Auch sie umfasst 40 Tage und reicht bis Christi Himmelfahrt (Tag der Aufnahme des Auferstandenen in den Himmel). Konfirmationen und viele Trauungen finden in dieser Zeit statt.
  • Die Sonntage der Passions- und Osterzeit haben besondere lateinische Namen (Estomihi, Exaudi u. Ä.). Es sind die Anfangsworte der Psalmen für diese Sonntage.
  • Zehn Tage nach Himmelfahrt feiern wir Pfingsten (von pentekoste [griech] = fünfzig).
    Dieser Tag widmet sich dem Geschenk des Heiligen Geistes, einer Kraft, durch die Gott in uns wirksam ist und die uns als christliche Gemeinschaft in Liebe, Freiheit und Frieden verbindet. Man nennt diesen Tag auch den Geburtstag der Kirche.

Die Trinitatiszeit

Der Sonntag nach Pfingsten heißt Trinitatis und feiert die Dreieinigkeit Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist.

  • Die dann folgenden Sonntage nach Trinitatis widmen sich dem Wachsen der Kirche. Jeder Sonntag hat ein für das christliche Leben wichtiges Thema: Taufe, Abendmahl, Barmherzigkeit, Feindesliebe, Heilung, Verbindung zum jüdischen Volk.
  • In die Trinitatiszeit gehört auch der Michaelistag (29. September), der Tag der Engel. Ihm folgen das Erntedankfest und der Gedenktag der Reformation am 31. Oktober.

Wenn sich das Kirchenjahr dem Ende nähert, kreisen die Gedanken um Fragen nach der eigenen Sterblichkeit, nach dem Ende der Welt und der Wiederkunft Christi.

  • Das Kirchenjahr endet mit Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Ewigkeitssonntag.

Festtage im persönlichen Lebenslauf

Heute gewinnen darüber hinaus Festtage des persönlichen Lebenslaufs an Bedeutung: Einschulung und Schulentlassung, Konfirmationsjubiläen und runde Jahrestage der Hochzeit.

Text: Pastorin Christine Tergau-Harms, Michaeliskloster Hildesheim, Arbeitsbereich Gottesdienst

Kalenderblatt

Auf den Seiten der Landeskirchen finden Sie Lieder, Texte, Erklärungen, Musik zur aktuellen Woche des Kirchenjahres.

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Gottesdienst verstehen

Die Liturgische Konferenz gibt für jedes Kirchenjahr einen Sonn- und Festtagskalender heraus.

Dort werden die Sonntage erklärt und es sind für jeden Sonntag Lesungen, Wochenspruch, Wochenlied und Psalm verzeichnet.

Auch Angaben zur liturgischen Farbe und über den Wegfall bestimmter Elemente der Liturgie finden sich hier.

Der liturgische Kalender online

Die liturgischen Farben

weiß: Christusfarbe, für alle Christusfeste, auch für seinen Vorläufer Johannes den Täufer und für seinen himmlischen "Vorstreiter", den Erzengel Michael (Offenbarung 12,7-8)

violett: Fasten- und Bußfarbe, v.a. in der Vorbereitungszeit vor Weihnachten und Ostern, auch am Bußtag

rot: Farbe des Heiligen Geistes (Pfingsten!), der Apostel, Glaubenszeugen, Glaubenszeugnisse, Kirchweihe, Konfirmation

schwarz: Karfreitagsfarbe; außerdem für Zeiten und Anlässe des Totengedenkens

grün: für die übrigen Kirchenjahreszeiten

Erläuterungen zu den einzelnen Sonntagen

In der Taschenausgabe des Evangelischen Gottesdienstbuches finden sich Erläuterungen zu jedem Sonntag des Kirchenjahres.

Evangelisches Gottesdienstbuch