"diakonein" bedeutet "bei Tisch aufwarten, dienen"

Grafik: Gerke/Ruge/HkD

Das griechische Wort „diakonein“ heißt ursprünglich „bei Tisch aufwarten, dienen“. Im Neuen Testament wird dieser Begriff positiv gefüllt: Jesus bezeichnet sich selbst als Diener (Mk 10,45; Lk 22,27). In seinem Dienen lebt und bezeugt er den Anbruch der Gottesherrschaft. Jesus identifiziert sich mit den Geringsten und macht die Nächstenliebe zu einem universalen Maßstab (Mt 25,31-46).

Gottesliebe und Nächstenliebe

In der Nachfolge Jesu lebten die ersten Christengemeinden diese Einheit von Verkündigung und Dienst am Nächsten. Sie blieben nicht nur „beständig in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet“ (Apg 2,42), sie setzten auch Armenpfleger zur Unterstützung der Bedürftigen im Sinne einer besonderen Beauftragung ein (Apg 6).

Die Verbindung von Gottesliebe und Menschenliebe kennzeichnet die Urgemeinde als Gemeinde Christi. Zwischen Gemeindeaufbau und diakonischen Aktivitäten bestand somit von Anfang an eine Wechselbeziehung.

Diakonie und Gemeinde verbunden

Im Laufe der Jahrhunderte verlagerten sich die diakonischen Aktivitäten von der Gemeinde in Klöster, Hospize, Kranken- und Armenhäuser. Versuche von Luther und von Zinzendorff, die Gemeindediakonie zu erneuern, setzten sich nicht flächendeckend durch. Verfasste Kirche und organisierte Diakonie entwickelten sich zu eigenständigen Bereichen. Ihre Verbundenheit muss bis heute immer wieder neu ins Bewusstsein gerückt werden.

Entstehung diakonischer Einrichtungen im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wollte Johann Hinrich Wichern mit seinem Programm der Inneren Mission eine „Rechristianisierung des Volkes“ bewirken. Diakonische Vereine und Initiativen sollten besonders den verelendeten Arbeiterfamilien aus seelischer und leiblicher Not helfen und sie mit dem Evangelium vertraut machen.

Die Impulse von Johann Hinrich Wichern führten zur Entstehung vieler diakonischer Einrichtungen und Werke und legten den Grundstein zu der Diakonie in ihrer heutigen Form.

Die Diakonie ist eine Säule des Sozialstaats

Als Diakonie werden heute der evangelische Wohlfahrtsverband und seine Arbeit bezeichnet. Die Diakonie gehört zu den tragenden Säulen unseres Sozialstaates und bildet in Niedersachsen mit den anderen Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege (Arbeiterwohlfahrt, Caritasverband, Deutsches Rotes Kreuz, Jüdischer Wohlfahrtsverband und Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband) die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG FW).

Die Spitzenverbände sind Gesprächspartner der Landesregierung zu Fragen der Sozialpolitik und beraten bei Gesetzesvorhaben. Sie suchen die Zusammenarbeit mit Land und Kommunen und geben fachlichen Rat zu sozialen Themen.

Unterstützung in organisatorischen Fragen

Das Diakonische Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e. V. (DWiN) gehört mit 16 anderen diakonischen Landesverbänden der Diakonie Deutschland an.

Das DWiN unterstützt und koordiniert die ihm angeschlossenen Einrichtungen und Fachverbände, die auf Landesebene organisiert sind. Es berät seine Mitglieder, die Einrichtungen, Kirchenkreise und Kirchengemeinden in organisatorischen, konzeptionellen, juristischen und finanziellen Fragen.

Zum DWiN gehören mehr als 580 Mitglieder. In der Diakonie in Niedersachsen sind rund 76.000 Menschen in über 3.000 Einrichtungen und Diensten hauptberuflich beschäftigt.

Neue Wege finden

Wettbewerb mit anderen Anbietern und befinden sich im Spannungsfeld zwischen ökonomischen Erfordernissen und diakonischem Anspruch. Somit muss die moderne Diakonie immer neue Wege finden, um

  • Gemeindediakonie, Kirchenkreisdiakonie und übergreifende Diakonie stärker zu vernetzen,
  • Christen diakonisch zu bilden und das persönliche Engagement zu fördern,
  • veränderte Notlagen wahrzunehmen und Hilfsangebote in Zusammenarbeit mit Initiativen und Selbsthilfegruppen zu entwickeln,
  • den Anspruch von Gottes Barmherzigkeit und Gerechtigkeit in die gesellschaftlichen Prozesse einzubringen.

TextText: Pastor Sven Quittkat, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Diakonische Theologie im Diakonischen Werk der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers