Ökumene gehört zur Kirche dazu

„Auch noch Ökumene!? Dafür haben wir jetzt wirklich keine Zeit und auch kein Geld!“ In Zeiten der Kürzungen ist es verständlich, wenn manche in unserer Kirche so denken. Aber Ökumene, das Bemühen um die Einheit, ist kein „auch noch“. Es gehört grundsätzlich zu unserer Kirche dazu.

Einheit sichtbar werden lassen

Wie können wir glaubwürdig von dem einen Gott und dem einen Christus reden, wenn die Kirchtürme eines Ortes beziehungslos nebeneinander stehen? Jesus hat für uns gebetet, „damit alle eins seien“ (Joh 17,21). Die Einheit der Kirche, von der wir in der Bibel lesen und die wir im Glaubensbekenntnis aussagen, ist uns im Glauben vorgegeben. Gleichzeitig ist uns aufgegeben, diese Einheit auch sichtbar werden zu lassen.

Voneinander lernen

Jede Gemeinde, jede Kirche ist ganz Kirche, aber keine ist die ganze Kirche. Jeder Gemeinde und Kirche gilt die volle Verheißung Gottes, aber keine bildet den vollen Reichtum des Leibes Christi ab. Einheit der Kirche ist immer auch vielstimmige Einheit. Daher können wir voneinander lernen, einander bereichern und einander korrigieren.

Reichtum der verschiedenen Traditionen

So haben wir als evangelisch-lutherische Kirche,

  • angestoßen von der römisch-katholischen Kirche, die Relevanz von Gesten wieder schätzen gelernt; in diesem Sinne erlebt das Pilgern eine Renaissance.
  • Die orthodoxen Kirchen haben uns die Bedeutung der Liturgie neu bewusst gemacht.
  • Der Herrnhuter Brüdergemeinde verdanken wir die Tageslosungen.
  • Die Mennoniten haben uns eingeschärft, dass die Kirchen zum Einsatz für Frieden verpflichtet sind.
  • Von Freikirchen lernen wir die Kraft des freien Gebets.
  • Christinnen und Christen aus Afrika oder Asien erinnern uns daran, die Freuden und Nöte des Alltags mit Gott zu teilen und Hilfe von ihm zu erwarten.

Aufgaben teilen

In Zeiten der Kürzungen profitieren wir von dem Bemühen um Einheit. Keine Gemeinde, keine Kirche muss alles machen. Man kann sich absprechen. Das heißt:

  • Erstens können wir Kräfte bündeln und effektiver werden.
  • Zweitens können wir Aufgaben verteilen, sodass nicht jede Konfession meint, alles abdecken zu müssen.
  • Drittens können wir einander vertreten, sodass aufgrund gemeinsamer Vereinbarung zu bestimmten Anlässen eine Konfession für alle spricht oder handelt.

Beispiele für Ökumene vor Ort

Vor Ort gelingt ökumenisches Miteinander zum Beispiel

  • in Gottesdiensten bei Stadt- und Schützenfesten,
  • in der Krankenhausseelsorge,
  • in Bibelwochen,
  • in der ökumenischen Friedensdekade,
  • in der Gebetswoche für die Einheit oder
  • bei der Feier einer Schöpfungszeit.

Ökumene gestaltet sich häufig als Miteinander von evangelisch-landeskirchlichen und römisch-katholischen Gemeinden. Die Ökumene mehrerer Konfessionen ist in ökumenischen Arbeitskreisen vor Ort und besonders in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) organisiert.

Charta Oecumenica

Wichtige Orientierungspunkte für die Ökumene bietet die Charta Oecumenica, die 2001 auf europäischer Ebene unterzeichnet wurde. Im Mai 2007 haben sich in einem feierlichen Gottesdienst in der hannoverschen Marktkirche die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Niedersachsen auf ihre Leitlinien verpflichtet.

Text: Pastor Woldemar Flake, Referent für Ökumene im Haus kirchlicher Dienste

Die Einheit bewahren

„Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“
(Brief an die Gemeinde in Ephesus 4,3-6)