Schule und Kirche

Lern- und Lebensraum für die Schülerinnen und Schüler

Grafik: Gerke/Ruge/HkD

Schule ist nach eigenem Verständnis mehr als Unterricht, sie ist Lern- und Lebensraum für die Schülerinnen und Schüler. Mit dieser Sichtweise rückt das Schulleben als Ganzes und das Verhältnis der Schule zu ihrem gesellschaftlichen Umfeld verstärkt ins Bewusstsein. Insbesondere für die Ganztagsschule gilt die Zusammenarbeit mit außerschulischen Kooperationspartnern als Qualitätsmerkmal.

Damit eröffnen sich Möglichkeiten der Mitwirkung und Mitgestaltung. Kirchengemeinden können in der Kooperation mit Schulen auf besondere Weise ihr kirchliches Selbstverständnis und ihren Auftrag als „Gemeinde für alle“ und ihre zivilgesellschaftliche Mitverantwortung  realisieren.

Schulprogramm

Schulen stehen vor der Aufgabe, eigene Schulprofile und Schulprogramme mit Leben zu füllen. Die Frage, ob Religion Teil des Schulprogramms und damit als eine Dimension des Lebens in der Schule erfahrbar ist, hängt nicht allein vom Engagement der Religionslehrerinnen und -lehrer ab. Ebenso wichtig ist in diesem Zusammenhang die Beziehung der Kirchengemeinde zur Schule. Kirchengemeinden können zur Entwicklung und Gestaltung des Schulprofils beitragen, indem Religion und Schulseelsorge als selbstverständliches Thema einer kultursensiblen und ganzheitlich bildenden Schule verankert wird.

Das evangelische Bildungsverständnis kann konkret umgesetzt werden, indem Kirchengemeinden im Rahmen des Schulprogramms kooperative Angebote entwickeln. Allein der von Schulen angezeigte Bedarf an seelsorgerlicher Begleitung eröffnet neben gottesdienstlichen Veranstaltungen und gemeinsam gestalteten Projekten ein weites Handlungsfeld.

Inklusion

Die Umwandlung aller Schulen in inklusive Schulen ist eine Aufgabe, bei der Kirche und Diakonie vielfältige Erfahrungen und Ressourcen beitragen können, denn das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung ist Ausdruck des christlichen Menschenbildes.

Feiern

Neben dem Unterricht und außerunterrichtlichen Angeboten sollte in der Schule auch Platz für eine Kultur des Feierns sein. Einschulungs- und Entlassungsfeiern erfreuen sich wieder großer Beliebtheit. Da die Schule in der Regel nicht über eigene Traditionen und Formen einer Feierkultur verfügt, sind gottesdienstliche Formen für sie interessant.

Einschulungsgottesdienste zur ersten wie zur fünften Klasse, aber auch gottesdienstliche Veranstaltungen zum Ende der Grundschulzeit oder zur Abiturentlassung gehören zum selbstverständlichen Programm vieler Kirchengemeinden, ebenso Andachten zum Advent, zur Passion, zu Erntedank oder anderen kirchenjahreszeitlichen Themen.

Trauerarbeit und Krisen

In Schulen kommt es immer wieder zu Krisenerfahrungen, hervorgerufen durch Krankheit, Unfall oder Tod. Zur Bewältigung solcher Situationen suchen Schulen sowie einzelne Schülerinnen und Schüler oder Lehrkräfte seelsorgliche Begleitung und Unterstützung. Sie fragen nach Andachten und Gottesdiensten, um das Geschehene verarbeiten zu können und Trost zu finden.

Religionsunterricht

Religionsunterricht ist das einzige Schulfach, das der Staat nicht allein verantwortet, sondern gemeinsam mit den Religionsgemeinschaften. Deshalb ist der evangelische Religionsunterricht in hohem Maß auf die Kirchengemeinde als Kooperationspartner angewiesen. Er benötigt ein werbendes und stützendes außerschulisches Umfeld, um als besonderes Fach in der Schule bestehen zu können.

Der evangelische Religionsunterricht braucht die Kirchengemeinde als Ort gelebter Religion, um Schülerinnen und Schülern die Erfahrung religiöser Praxis zu eröffnen. Nur in der Verbindung von gelernter und gelebter Religion ist religiöse Mündigkeit als Aufgabe und Zielsetzung des evangelischen Religionsunterrichts zu erreichen.

Jugendarbeit

Kirchliche Jugendarbeit steht durch die Entwicklung der Ganztagschule vor entscheidenden Herausforderungen. Das Verhältnis von schulbezogenen und gemeindebezogenen Angeboten muss neu bestimmt und entwickelt werden. Auch die Konfirmandenarbeit ist zu überdenken und den veränderten schulischen Rahmenbedingungen anzupassen.

Gespräch auch mit Kirchenfernen

Partnerschaft mit Schulen fordert von Kirchengemeinden eine Gesprächsfähigkeit auch mit Kirchenfernen. Für das Gespräch sind Strukturen zu finden, in denen sich die Partnerschaft von Kirche und Schule widerspiegelt. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, Aktivitäten und Kommunikationswege der Kirchengemeinde mit übergemeindlichen Kommunikationsstrukturen zu verbinden.

Auf der Ebene des Kirchenkreises haben in dieser Hinsicht die Schul- und Bildungsausschüsse und religionspädagogischen Arbeitsgemeinschaften eine wichtige Funktion. Ihre Arbeit sollte stärker verzahnt und aufeinander bezogen werden.

Kontakt im Landeskirchenamt

Bildungsabteilung im Landeskirchenamt
Rote Reihe 6
30169 Hannover