Sonntagsschutz

Biblische Begründungen für den Sonntag

Die hebräische Bibel kennt zwei Begründungen für den siebten Tag in der Woche, den Sonntag bzw. den Sabbat. Zum einen erinnert sie daran, dass der Schöpfer selbst nach sechs Tagen einen Tag ruhte und uns Menschen auffordert, es ihm gleich zu tun.

Zum anderen erinnert der Ruhetag an die Befreiung des Volkes Israel aus der Knechtschaft in Ägypten. Der Sonntag, ein Tag der Ruhe und der Erinnerung an die Befreiung von all dem, was uns versklavt.

Sonntagsschutz im Grundgesetz - zunehmend aufgeweicht

Grafik: Gerke/Ruge/HkD

Auch unser Grundgesetz schützt diesen Tag in Artikel 140 und die Rechtsprechung hat dies immer wieder unterstrichen, zuletzt durch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig 2009.

Dieses Recht wird zunehmend durch Sonderregelungen für so genannte verkaufsoffene Sonntage aufgeweicht.

In den letzten Jahren argumentierte insbesondere der Einzelhandel, dass dem sich ausbreitenden Online-Handel nur durch eine Ausweitung der Sonntagsöffnungszeiten begegnet werden kann. Hier geht es aber eher um Verteilungskämpfe zwischen Einzelhandel und dem Geschäft über das Internet.

Der Sonntag gibt dem Leben in seiner Fülle Vorrang

Unsere Gesellschaft verliert viel, wenn die Sonntagsruhe mehr und mehr ausgehöhlt wird. Erich Fromm schreibt: „Der Sabbat ist ein Tag, an dem der Mensch lebt, als hätte er nichts, als verfolgte er kein Ziel außer zu sein, d. h. seine wesentlichen Kräfte auszuüben – beten, studieren, essen, trinken, singen, lieben.“

Und ich ergänze: Der Sonntag ist dafür da, Zeit zu haben – Zeit zum Spielen mit Kindern und Enkelkindern; Zeit, zum Gottesdienst zu gehen; Zeit zum Nichtstun oder zum Spazierengehen.

Der Sonntag hat eine ökonomisch wie auch kulturell bedeutsame Funktion. Er erinnert uns daran, dass es mehr im Leben gibt als den Kreislauf von Konsumieren und Produzieren. Er räumt dem Leben in seiner Fülle den ihm gebührenden Vorrang ein. Nicht die Märkte, die Menschen sollen frei werden.

Sich für den Sonntag stark machen

Kirchenvorstände tun gut daran, in der Gemeinde den Sonntag immer wieder in Erinnerung zu rufen, sich in der kommunalen Gemeinde für den Schutz des Ruhetages als Kulturgut stark zu machen und hier den Schulterschluss mit anderen gesellschaftlichen Verbänden zu suchen.

Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) unterstützt Sie gerne dabei.

Text: Pastor Dr. Matthias Jung, Landessozialpfarrer und Leitender Referent für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA)